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LBV Starnberg |
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aus: SZ München-Nord vom 2.7.2009 |
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Biber sind keine Bedrohung |
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Im Bereich eines Damms steigt die Fischartenzahl an, Eisvögel und Libellen kommen, die Aue wird wiederbelebt / Von Peter Martin |
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Wir sind gewohnt, unsere Umwelt nach unseren Wünschen ungeteilt zu gestalten. Mit der Rückkehr des Bibers nach über 100 Jahren der Ausrottung tritt nun ein Geschöpf mit einer eigenen erstaunlichen Gestaltungskraft in unseren Lebensraum zurück. Eine Kraft, die wir nicht mehr gewohnt waren und die wir zu Unrecht nur als Störung empfinden. Hinzu kommen Unkenntnis, ja Ängste oder Aberglaube. Der unschätzbar hohe Gewinn unserer Natur durch den Biber ist zu wenig bekannt. Ich möchte vorgebrachte Befürchtungen durch Informationen zerstreuen und positive Erfahrungen mitteilen. Aktivitäten an allen Bächen: Heute gibt es im Münchner Norden erfreulicherweise an allen Bächen Zeugnisse des Nagers, die es vor wenigen Jahren nicht gab. Die Wiederbesiedlung erfolgte schnell, weil der Lebensraum frei und unbesiedelt war. Eine Überpopulation ist nicht möglich. Denn eine Biberfamilie braucht zum Überleben einen viele Kilometer langen Bach, der gegenüber anderen Bibern gnadenlos verteidigt wird. Sind alle Reviere besetzt, gibt es keine Neuansiedlung mehr. Die Natur hat dem Biber zudem den Weg einer natürlichen Nachwuchskontrolle mitgegeben: Die Anzahl der jährlichen Nachkommen sinkt mit den Stresssituationen der Revierkämpfe. Im Landkreis München-Nord leben 24 Familien bei rund 120 Kilometern Bach- und Flusslänge. Es gibt die Befürchtung, "der Biber beunruhigt Fische und verhindert die Durchwanderbarkeit der Bäche". Fakt ist: Im Bereich eines Biberdamms steigt die Fischartenzahl um ein Vielfaches an. Das haben Untersuchungen des früheren Landesamts für Wasserwirtschaft und des Fischereiverbandes Bayern ergeben. Biberdämme sind nie ganz dicht. Fische finden im Ästegewirr eines Dammes stets Lücken oder nutzen die seitlichen Nebenrinnen eines Damms zur Durchwanderung. In wenigen Fällen können Probleme mit Dämmen auftreten, zum Beispiel bei bereits technisch massiv verbauten Gräben oder bei hohem Wasseranstau. Die Vor-Ort-Biberbetreuung des Landkreises spricht mit Betroffenen, um größere Schäden zu vermeiden. Der Biber ist als reiner Pflanzenfresser im Winter auf Baumrinde angewiesen. Er fällt Bäume, um an Rinde der Äste zu gelangen. Eine Biberfamilie benötigt in der kalten Jahreszeit eine Rindenmenge, die im Mittel rund 50 Bäumen (Durchmesser 18 Zentimeter) entspricht. Fakt ist: Die Fällungen durch alle Biber in Deutschland betragen zusammen rund ein halbes Tausendstel des jährlichen Einschlags der Forstwirtschaft. Zudem werden überwiegend Weiden benagt, die durch Neuaustrieb schnell nachwachsen können und forstwirtschaftlich wenig interessant sind. |
Der Wald wird nicht vernichtet. Mögliche Auslichtungen der Bachufer müssen für eine Artenvielfalt nicht nachteilig sein. Allerdings, wertvolle Bäume brauchen Schutz, der mit einfachen Mittel kostengünstig möglich ist. "Der Biber zerstört die Ufer und macht auch sonst nur Schäden", ist eine falsche Behauptung. Gewiss, der Biber schätzt den Mais und Winterraps. Der Fraßschaden bleibt jedoch meist gering, Schäden über 50 Euro werden ersetzt. Unbestritten ist, dass der Biber Ufer unterwühlt und damit Gefahren für den Bauern schaffen kann. Auch dieser Schaden wird ersetzt. Bei ausreichenden Schutzstreifen an den Bachufern, die zudem vor Schadstoffeinträgen schützen, sind kaum Gefährdungen und geringe Fraßschäden zu erwarten. Der Ärger mit Biberröhren im Ufer deckt die häufig nicht vorhandenen Schutzstreifen als eigentliches Problem auf. Die Leistung des Bibers heißt: mehr Vielfalt. Genau die Grabtätigkeit des Bibers an den Ufern bringt mehr Strukturvielfalt und neue Lebensräume an unsere oft begradigten und verbauten Bäche zurück. Im Münchner Norden ist an vielen Stellen zu beobachten, dass im Gefolge des Bibers der Eisvogel und seltene Libellenarten zurückgekehrt sind. Zudem, die Bibertätigkeit hat die vielen Bachtrockenlegungen im Münchner Norden in ihrer katastrophalen Dramatik erst sichtbar gemacht und dazu beigetragen, dass der Wasserzufluss häufiger überwacht wird. Zum Wohle der gesamten Bachökologie. Eine Leistung ist die Wiederbelebung der Aue. Biberdämme stauen Auebäche an, große Mulden werden geflutet, kleine Nebenbäche fließen wieder und trocken gefallene Rinnen werden zu Bächen neu aktiviert. So wird ein Nebenbach des Schwabinger Bachs auf rund 700 Meter Länge "rückwärts", also aufwärts in Richtung Süden, in eine trocken gefallene Rinne der früheren Isar eingestaut. Ein Beispiel von vielen im Münchner Norden. Bibertätigkeit ermöglicht im Rinnennetz unserer alten Isar großflächige Vernässungen, Erhalt des Grundwasserstandes, eine Rückkehr wünschenswerter Aue-Funktionen, dynamische Lebensräume für unsere Tier- und Pflanzenwelt und einen wirksamer Hochwasserschutz. Kostenlos. Unter der Rubrik "Klartext" beziehen Menschen Stellung zu aktuellen Themen - ob Politiker, Experte oder Hausfrau. Quelle:
Süddeutsche Zeitung Fett-Hervorhebungen zur leichteren Lesbarkeit: HG |
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s. auch: Der Biber - Rückkehr der Burgherren (Buchtipp) |
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s. auch: Hilfe für Wildtiere |
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