Vielfalt Natur -
Vogel des Jahres 2005
Der Uhu - Bubo bubo
Die Rückkehr des Uhus -
ein Erfolg für den Artenschutz, wieder gefährdet durch die Sparpolitik?

Foto: DELPHO/LBV

Der Uhu heißt mit seinen 3 kg Gewicht und einer  Spannweite  von bis zu 180 cm - der Armspanne eines erwachsenen Mannes - nicht umsonst im Englischen "Eagele Owl" - Adlereule, im Italienischen und Spanischen "Gufo reale" bzw. "Buho real" - Königseule, im nüchternen Latein der Wissenschaft nach seinem Balzruf lautmalerisch "Bubo bubo".

Aberglaube - der Uhu galt, wie andere Eulenvögel auch, als Unglücksbringer und "Totenvogel" - , und Konkurrenzneid von Jägern, die seine Nahrung - Hasen, Kaninchen, Rebhühner, Enten - lieber selber erbeuten wollten, führten im 18. und 19. Jhd. zu einem gnadenlosen Vernichtungsfeldzug gegen das so genannte "Raubzeug". In Deutschland überlebten nur etwa 40 Paare, vorwiegend in Thüringen und Sachsen, in Nordbayern und im Alpenvorland und den Alpen, bis er endlich 1930 wenigstens unter Schutz gestellt wurde.
Heute sind nicht mehr Verfolgung die Ursache für die Gefährdung. Vielmehr fordern der Straßen- und Schienenverkehr sowie die Stromleitungen Opfer auch unter den Uhus. Störungen am Brut- und Schlafplatz durch Freizeitbetrieb wie Klettern sollten durch vernünftige Zonierung, durch eine Trennung von Schutz und Nutz,  vermieden werden können.

Die massiven Schutzbemühungen der Naturschutzverbände seit den 1960er Jahren, auch Auswilderungen (und damit Neuansiedlungen) in Norddeutschland haben den Bestand auf derzeit ca. 850 Brutpaare in Deutschland, auf ca. 200 - 250 Brutpaare in Bayern wieder anwachsen lassen, der Bestand hat sich annähernd stabilisiert. In Südbayern allerdings hat er in den letzten Jahren immer weniger Nachwuchs. So beobachtet man z. B. am Alpenrand (Lkr. Garmisch) deutlich schlechtere Bruterfolge als in der Frankenalb und im Mainfränkischen.
Von den etwa 150 Eulenarten, die in Nordafrika, in fast ganz Eurasien, in Indien bis Südchina leben, ist der Uhu die größte. Er ist Standvogel, er brütet bei uns bis in etwa 1200 m Seehöhe und bevorzugt dazu große Waldgebiete, Steilhänge, Felswände und Steinbrüche mit freiem An- und Abflug, gerne an Gewässern, gelegentlich in verlassenen Horsten auf alten Bäumen. Aktiv ist er in der Dämmerung und in der Nacht, den Tag verbringt er dösend im ruhigen Versteck. Schlechter Erfolg bei Brut und beim Hochbringen der Jungen wird etwa dort registriert, wo die Beutetiere "nicht verfügbar" sind, wo sie sich im rasch hoch wachsenden Mais und Raps verborgen halten können: der Uhu braucht eine strukturreiche Landschaft zum Nahrungserwerb.

Seit etlichen Jahren wird der Uhu in Bayern über ein Programm erfasst, das vom LBV vorgeschlagen und übernommen wurde:
Im Landkreis Starnberg braucht man kaum mit einem Brutplatz zu rechnen.  Brutplätze des sehr störungsempfindlichen Vogels sind an den Felswänden und Steilhängen an Isar und des Lech, in den Wänden des Estergebirges und der  Isar-Vorberge und  zu erwarten, sein Jagdrevier in den Loisach-Kochelsee-Mooren, im Murnauer und vielleicht im Weilheimer Moos. Wenn hier einmal ein Uhu gehört - oder viel seltner noch: gesehen - wird, dürfte er aus der weiteren Umgebung zur Nahrungssuche oder als vagabundierender Junggeselle zugeflogen sein. Mitarbeiter von Straßendiensten wollen bei winterlichem Neuschnee  auch im Landkreis Starnberg Uhus auf den gelb-schwarzen Straßenbegrenzungsstangen sitzen gesehen haben.  Dieses staatliche Artenhilfsprogramm - es ist beim LBV und seinem Referenten Ulrich Lanz angesiedelt - wird bisher vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz finanziert: Zur flächendeckenden Bestandserhebung kommen detailliertere Untersuchungen an ca. 150 Brutpaaren und eine genaue Beobachtung, bei der das Verhalten des Uhus mit Methoden der Telemetrie verfolgt wird. Besonderes Augenmerk wird auf die  Erforschung der Ursachen für den Bestandsrückgang gelegt. Vor allem der Einfluss, den die Strukturen seines Lebensraumes auf Überleben und Bruterfolg haben, wird untersucht. Engagierte Vogelschützer arbeiten mit Hochdruck an diesem Programm zum Erhalt des "Königs der Nacht".
Von einigen unserer Uhus sind spezielle Beutegewohnheiten bekannt: Bei manchen finden sich ungewöhnlich viele (ebenfalls nachaktive) Igel auf der "Speisekarte", bei andern bevorzugt er offensichtlich (tagaktive) Mäusebussarde, deren Schlafbäume er ausspäht und dann nachts überfällt. Auch Mäuse, junge Füchse, Hauskatzen sowie  andere Eulen gehören zu seinem Beutespektrum. Bessere Bruterfolge hat der Uhu offensichtlich, wenn er in der Nähe von Gewässern brütet und dort kleinere Wasservögel - Bleßrallen bis Stockenten - erbeuten und den Jungen bringen kann. Im Rahmen der derzeit exekutierten Kürzungen im Staatshaushalt, insbesondere beim Artenschutz, besteht die große Gefahr, dass der eindrucksvolle Erfolg, mit dem der Uhu seine angestammten Lebensräume wieder zurückerobern konnte, zunichte gemacht wird. Denn: Noch immer fehlt die Zusage, dass dieses Programm zum Schutz des Uhus auch 2005 gefördert werden wird - und das beim Vogel des Jahres 2005.

Horst Guckelsberger

 

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