| Vielfalt der Natur |
| Vogel des Jahres 2006 |
| Der Kleiber | |
| Sittus europaea | |
![]() |
|
|
Foto: Hans Werner |
|
| Er gehört zu den ersten, die bei den Vogelstimmen-Führungen von Hans Werner verhört werden: Sein harter "titi tirr" -Ruf, oder auch langsamer "twitt-twtt" oder mit hohem, durchdringendem "ziitt" ist laut und weithin zu hören. (Seinen Trillergesang können Sie hier abrufen). Ob am S-Bahnhof in Weßling oder an den Weiden der Neuen Ammer, ob in den Buchenwäldern bei Possenhofen oder an den Eichen bei Seefeld: Die Rufe des Kleibers sind so gut wie das ganze Jahr über vernehmbar, in Gärten und Parks wie in auch unseren Laubwäldern. |
Seine Nahrung besteht aus
Insekten, Spinnen und andere Kleintieren, aber auch aus
Sämereien, die er aus abstehenden Rindenteilen und -spalten
hervorholt. Im Winter kann man ihn am Futterplatz antreffen, wo
er sich auch Nüsse (ohne Schale) schmecken lässt. Seinen Namen verdankt der Höhlenbrüter der Fähigkeit, mit herbeigebrachter Erde ein zu großes Einflugloch auf passende Größe zu verkleben; auch das Höhleninnere wird dabei rund ausgekleistert. So kann er das 45 mm - Flugloch eines Starenhäuschens so verkleben, dass der Star weder hineinkommt noch im Entferntesten in der Lage wäre, das verkleinerte Flugloch wieder aufzuhämmern. Nur Spechte könnten diese harte Masse wieder entfernen. Da der Kleiber aber die Höhlen nicht selbst zimmern kann, ist er auf alte Spechthöhlen angewiesen, die er als "Nachmieter" nutzt. Ebenso zieht er in die Astlöcher alter Bäume ein. Damit wird deutlich, warum der Kleiber, obwohl derzeit weder selten noch besonders bedroht, zum Vogel des Jahres 2006 ausgerufen wurde: Es soll die Aufmerksamkeit gelenkt werden auf den Lebensraum, den er benötigt: Die Eichen- und Rotbuchenwälder Mitteleuropas, sofern sie naturnah bewirtschaftet werden und in ihnen genügend alte Bäume mit borkiger Rinde und genügend natürlichen Höhlungen erhalten bleiben. Zu hoffen ist also z. B., dass auch nach der Forstreform in den bayerischen Staatsforsten genügend Altholz stehen bleiben darf. Aber auch wenn in Parks und Obstgärten möglichst viele alte Bäume nicht ein Opfer der Säge werden, dann kommt der schöne Vogel auch in die Nähe des Menschen. |
| Der gut sperlingsgroße Vogel fällt auch äußerlich auf mit seinem wie gestutzt wirkenden Schwanz, dem langen spitzen Schnabel, dem auffälligen dunklen Augenstreif - und vor allem dadurch, dass er kopfüber einen Baumstamm hinauf- und hinunterzuklettern vermag. Sogar mit dem Kopf nach unten hängt er sich an einen waagrecht weg stehenden Ast und erreicht so Nahrung, die anderen Vögeln unzugänglich ist. Anders als Spechte und Baumläufer benutzt er dazu nicht seine Schwanz-federn als Stütze, er verlässt sich auf einen langen, nach hinten gebogenen Zeh, an dem er sich - gegebenenfalls kopfüber - in der Rinde verankert. Dabei macht er, auch hier anders als Spechte und Baumläufer, eine Art Spreizschritt. | |
Der Kleiber gehört zu den farbenprächtigeren unter den Vögeln. Vor allem das Männchen fällt mit seiner blaugrauen Oberseite, den kastanienbraunen Flanken und der rahmgelben Unterseite, vor allem aber mit dem kräftigen schwarzen Streifen von der Schnabelwurzel über die Augen hinaus auf. Der relativ häufige Vogel ist damit nicht nur oft zu sehen (und zu hören), sondern auch leicht zu erkennen. |
|
|
Horst Guckelsberger |
|
| zu Vögel des Jahres - Übersicht | |
| zu Vielfalt der Natur |
zu SZ vom 8./9.10.2005: Artist und Maurer des Waldes |
| zu Aktuelles 2005 | |