Umwelttipps

LBV Starnberg  

Glasscheiben als Vogelfalle

„Glasbau der „Villa Rustica“ gilt als Vogelfalle“ von Blanche Mamer

(Leserbrief H. Guckelsberger zum Artikel in der Starnberger SZ vom 16.6.2003)

Die derzeitige Mode in der Architektur, Gebäude mit riesigen Glasfassaden zu bauen, verschärft das Problem der Glasscheiben als Todesfallen für Vögel. Aber auch gläserne Wartehäuschen für Bus und S-Bahn sind – vermeidbare! – Todesfallen. Nur ein Bruchteil der an diesen Todesfallen verunglückten Vögel wird aufgefunden, die weitaus meisten verenden weiter entfernt oder werden von Aasfressern wie der Rabenkrähe geholt.
„Zehntausende, vielleicht Hunderttausende von Vögeln sterben jährlich an Glasscheiben in der Schweiz“ schrieb 1997 ORNIS, die Zeitschrift des Schweizer Vogelschutzes SVS. Für die USA wird geschätzt, dass 98.000 bis 980.000 Vögel an Glasfassaden und transparenten Wänden zu Tode kommen. Was kann dagegen getan werden?
 

  • Die Greifvogelsilhouetten, mit denen Vögel von Glaswänden ferngehalten werden sollen, haben
    sich als weitgehend wirkungslos erwiesen
  • Eine Bepflanzung der nahen Umgebung der Scheiben mit Büschen verstärkt sogar das Gefährdungspotenzial, weil sich die Sträucher in den Glaswänden spiegeln und Durchgängigkeit buchstäblich „vorgespiegelt“ wird.
  • Getönte Scheiben verstärken den Spiegeleffekt.

  • Futterhäuschen sollten ggf. sehr nahe (30 cm) an den Scheiben aufgehängt werden. Die Vögel haben dann beim Abflug in die falsche Richtung noch keine hohe Fluggeschwindigkeit erreicht.
  • Wenigstens teilweise Abhilfe schaffen können halbtransparente, senkrechte Streifen von 2 cm Breite, die in einem Abstand von höchstens 10 cm in das Glas eingefräst, geätzt oder durch Siebdruck aufgebracht werden.
Diese Methode wurde 1990 von Ernst Zach und W. A. Bajohr vom LBV Gilching beim Bau der Schallschutzwände an der A 96 vorgeschlagen. Sie ist als „Gilchinger Gardine“ weitgehend Standard im Fernstraßenbau nicht nur Deutschlands geworden. Bei dieser Methode sollten aus Kostengründen bereits vor dem Einbau der Scheiben die Streifen eingearbeitet werden.
 
Ein möglicher Notbehelf ist es, nachträglich milchige, witterungsbeständige, selbstklebende Streifen aus Polyethylen an der Außenseite aufzubringen (Birdstripes). Sie sind 2 cm breit und sollen ebenfalls im Abstand von höchstens 10 cm senkrecht aufgebracht werden.
 
Sie dürften eine Haltbarkeitsdauer von etwa drei Jahren haben und müssen dann erneuert werden. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass - vor allem bei getönten Scheiben oder Thermoglas - diese Streifen zu Beschädigungen oder sogar zum Platzen der Gläser führen können. Eine Haftung kann der LBV nicht übernehmen!
Andere Aufkleber - Kinderzeichnungen, Folienbänder, Aufkleber -  können  eine gewisse Wirkung entfalten - sie müssen aber außen angebracht werden. Sie müssen in ziemlich großer Dichte aufgebracht werden, was nicht immer erwünscht ist: Je auffälliger und flächiger, desto wirkungsvoller. (Die Form - z.B. Greifvogelsilhouette - spielt dabei keine besondere Rolle).
 
Eine unkonventionelle Methode ist derzeit noch in der Diskussion: Sonnenschutzcreme (!), am besten Sunblocker, soll auf Grund seiner UV-Undurchlässigkeit die Scheiben für Vögel erkennbar werden lassen, während sie dem menschlichen Auge weiterhin durchsichtig erscheinen. Siehe: www.birdnet.de/vogelhilfe/Vogelschlag.htm. Die Creme soll auch die Wirksamkeit der Streifen und der Silhouetten verbessern. Verlässliche Untersuchungen dazu sind uns aber noch nicht bekannt. Weiterentwickelt wurde diese Methode im "Birdpen". Praktiker sehen einen Nachteil darin, dass die Muster, die mit ihm gezeichnet werden, mit der Zeit verschmieren und beim Fensterputzen (außen) verloren gehen.

H. Guckelsberger

Ergänzungen:
Ausführlichere Darstellung: „Vögel und Scheiben“ - „Merkblätter für die Vogelschutzpraxis“ des Schweizer Vogelschutzes SVS und der Schweizerischen Vogelwarte, Sempach, als download unter: „Merkblätter für die Vogelschutzpraxis“.

Ausführlich mit Naturschutz im Siedlungsraum und an Gebäuden befasst sich eine weitere Website aus der Schweiz (www.bauen-tiere.ch) ; von dort aus - oder auch direkt unter www.vogelglas.info (kann dann auf Deutsch angewählt werden) finden sich ausführliche und praxiserprobte Hinweise.
Die neueste Information von 2010 finden Sie  in der Broschüre: "Glasflächen und Vogelschutz" von LBV/NABU, fortentwickelt aus der Schweizer Broschüre von 2008.
 zu Startseite

zu www.vogelglas.info

 

zu: www.bauen-tiere.ch

 

dort speziell: "Einstieg"; "Fachinformationen" und "CRB/NPK")

 

siehe auch: Leitfaden Vögel und Glas (Schweiz 2008) (pdf)

 

siehe auch: Jungvögel