Umwelttipp:

LBV Starnberg

Der Riesenbärenklau

Herkulesstaude - gefährliche Schönheit

Heraculeum mantegazzianum

Der Riesenbärenklau (Heraculeum mantegazzianum) wurde wegen seiner imposanten und dekorativen Erscheinung im 19. Jahrhundert als Zierpflanze aus dem Kaukasus nach Mitteleuropa eingeführt. Diese mehrjährige Staude bildet im ersten Jahr riesige Blätter, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Rhabarberblättern haben, doch der Blattrand ist tief eingeschnitten und gezähnt. Erst im zweiten oder dritten Jahr entwickelt sich ein mächtiger, zwischen ("nur") 150 cm bis fast 400 cm hoher Stängel (bis 10 cm Durchmesser, innen hohl, außen rot gefleckt und behaart), mit mehreren großen, sehr schönen weiß blühenden Dolden. Eine Dolde setzt sich aus unzähligen, kleinen weißen Blüten zusammen und kann so einen Durchmesser bis 60 cm erreichen. Nach der Blütezeit (Juni bis September) stirbt meist die ganze Staude ab. Jedoch für die Vermehrung ist gut vorgesorgt, denn an einer einzelnen Pflanze können sich bis zu 10.000 Samen bilden.
 

z. T. weit übermannshoch - die Herkulesstaude

Foto: H. Guckelsberger

Inzwischen hat sich gezeigt, dass der Riesenbärenklau aus den Gärten auswildert, sich stark ausbreitet, die heimische Vegetation durch Beschattung verdrängt und zum Teil schon größere Flächen einheitlich bedeckt (Massenbestände - invasiver Neophyt).
Verbreitet wird er - sofern er nicht gezielt ausgesät wurde - durch den Straßenverkehr, insbesondere durch Kies-Lastwagen, wenn die Randböschungen der Kiesgruben befallen sind (z. T. Kieswerke bei Unterbrunn-Hochstadt). Aber auch in entfernten Waldlichtungen kann er auftreten.

An Gewässerrändern kann er die typischen Uferpflanzen verdrängen und die Erosion verstärken. Der Riesenbärenklau dringt ebenso in Wiesen und Weiden, in Naturschutzgebiete und andere ökologisch wertvolle Gebiete ein und entwertet dadurch diese Flächen. Er gehört damit zu den typischen "invasiven Neophyten" wie die Kanadische Goldrute, das Drüsige Springkraut, der Sachalin-Knöterich oder neuerdings die (Allergien auslösende) Beifußblättrige Ambrosia.
 

Aber noch eine ganz andere Eigenschaft dieser Pflanze ist problematisch, ja sogar gefährlich: der Riesenbärenklau enthält in allen Teilen eine Art tückisches Gift (Furocumarine), welches bei Kontakt mit der Haut - besonders bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung (UV-Licht) und hoher Luftfeuchtigkeit - häufig zu sehr heftigen allergischen Reaktionen führen kann.

Auf der Haut bilden sich - aber oft erst nach mehr als 24 Stunden - Verletzungen, die zum Teil an eine schwere Verbrennung erinnern. (Dies wird gelegentlich verharmlost - zur Warnung siehe aber Foto). Besonders spielende Kinder sind gefährdet, wenn sie sich zum Beispiel zwischen den großen Blättern verstecken oder gar Blasrohre aus den hohlen Stängeln basteln. Aus oben genannten Gründen ist der Riesenbärenklau im Siedlungsgebiet und in der freien Landschaft unerwünscht. Er sollte konsequent entfernt werden:
 

  • Im Frühjahr (April - Mai), wenn das Wachstum beginnt, wird die dicke Pfahlwurzel der Pflanze in 15 cm Bodentiefe abgestochen. Ein Neuaustrieb ist dann kaum mehr möglich, aber nur, wenn man die "Vegetationsknolle" mit heraus sticht (Kontrolle!)

  • Junge Keimlinge werden über mehrere Jahre mit der Hacke entfernt.

  • Im Sommer sollten die weißen Blütenstände vor der Samenreife abgeschnitten, in Plastiksäckchen verpackt und im Restmüll entsorgt werden; nur die samenlosen Teile sollen kompostiert werden. Nachkontrollen sind unerlässlich, weil die Samenreife unterschiedlich eintritt.

  • Größere Bestände von Riesenbärenklau müssen kurz vor der Blüte und dann weiterhin fünf bis sechs mal im Abstand von 10 Tagen abgemäht werden.

Wichtig: Bei allen Arbeiten in der Nähe des Riesenbärenklaus und bei dessen Beseitigung muss Schutzkleidung getragen werden! Schützen sie ihre Arme und Beine und arbeiten sie nur mit Handschuhen und Schutzbrille. Führen Sie außerdem diese Arbeiten nur abends oder bei bedecktem Himmel durch. Hautpartien, die trotz Vorsichtsmaßnahmen mit Pflanzenteilen in Berührung kamen, sofort mit Wasser (mitnehmen!) und Seife abwaschen und einige Tage vor Licht schützen. Bei schweren Allergien unbedingt den Arzt aufsuchen!

Die Gefährlichkeit des Riesenbärenklau-Saftes für Menschen wird oft unterschätzt, weil die Empfindlichkeit darauf individuell sehr unterschiedlich sein kann. Wenig empfindliche Menschen neigen dann dazu , das Gefährdungspotenzial zu verharmlosen. Auch die Beobachtung, dass Rinder die Blätter fressen, sollte nicht zu Fehleinschätzungen verleiten.
Auskunft zum Riesenbärenklau erhalten Sie zum Beispiel auch über die untere Naturschutzbehörde oder dem Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege beim Landratsamt und über ihre Gemeindeverwaltung.

Auf einer eigene Website informiert das Bundesamt für Naturschutz BfN in einem "Handbuch" sehr gründlich über ca. 40 invasive Neophyten, darunter auch den Riesenbärenklau (siehe Link unten). Dort findet man interessantes zur Biologie, zur Verbreitung und über mögliche Maßnahmen.

 zu Startseite Zu zwei Merkblättern des Landratsamtes Starnberg in pdf:
 zu Umwelttipps zu "Bekämpfung des Riesenbärenklaus im Frühling" (pdf)
  zu: "Informationsblatt zum Riesenbärenklau" (pdf)
zur pdf-Ausgabe als Merkblatt des LBV STA zur Herkulesstaude zu: Riesenbärenklau im Frühjahr bekämpfen (LRA) - Presse (Parsberg Echo)
zur pdf-Ausgabe der "Verbrennungen" durch Saft der Herkulesstaude zu LBV-Umweltipps: Verbrennungen durch Riesenbärenklau
    zu: "Wenn Zierpflanzen zu Unkraut werden"  (Neophyten aus Sicht der Schweiz)
  zu: www.neophyten.de