Umwelttipps: Aus der Praxis für die Praxis

LBV Starnberg

Nisthilfen für den Eisvogel

Mit oft beträchtlichem Aufwand haben auch wir schon versucht, eine künstliche Nistwand für den Eisvogel zu schaffen. Steile, wenig bis gar nicht bewachsene Ufer mit wenigstens schichtweise Sand oder lockerem Kies bieten ihm natürliche Möglichkeiten, seine bis zu 100 cm tiefen Nisthöhlen in die Uferwände zu graben.

Wo die Ufer mit Flussbausteinen verbaut oder gar zubetoniert sind, wo der Kies zu grob oder das Ufer zu erdig-lehmig oder einfach zu flach ist, wird versucht, mit großen Kästen, mit Kies und Sand gefüllt, künstliche Nistmöglichkeiten zu schaffen.

Oft genügen jedoch schon einfachere und natürliche Maßnahmen: Durch Abgraben von Ufer-Steilhängen (es sind zumeist die Prallhänge) kann man einen frischen, nicht von einer Krautschicht oder Brombeeren zugewucherten Zugang zu grabfähigen Steilufern ermöglichen. Unter anderem davon handelt ein (wie immer hervorragend gestaltetes) Faltblatt des Schweizerischen Vogelschutzverbandes SVS zum Eisvogel: http://www.birdlife.ch/pdf/Merkblatt_Eisvogel_d.pdf
Hier wird auf die Steilufer-Pflege (S. 4), also auf die "Bewirtschaftung natürlicher Prallhänge, detailliert hingewiesen:

Brutwände abstechen  

Das Fehlen von offenen Steilwänden ist oft die Ursache,
dass Eisvögel in einem Gebiet nicht brüten. Dem kann
abgeholfen werden. Eisvögel nehmen abgegrabene Brutwände leicht an, sofern sie in einem möglichen Brutgebiet liegen, mindestens 1,5 Meter über den Hochwasserspiegel ragen, etwa 3-5 Meter breit und leicht überhängend sind. Wände direkt am Wasser werden bevorzugt.

Die Röhren müssen unbedingt leicht ansteigend angelegt
werden, da die Jungvögel ihren Kot in die Röhre entlassen.
Dieser muss abfließen können, damit der Brutkessel
nicht verschmutzt wird.

Weil der Eisvogel für seine zwei bis drei Bruten pro Jahr jeweils eine andere Röhre oder am liebsten eine andere Wand benützt, ist ein Netz von 3-4 Wänden in einem potentiellen Brutgebiet von Vorteil. Je nach Stabilität einer abgestochenen Wand muss diese alle 1-3 Jahre wieder nachgestochen werden. Die Steilwand muss in sandig-lehmigem Boden stehen, welcher nicht zu hart zum Graben ist, aber genügend Stabilität aufweist, damit die Röhre nicht einstürzt. Nasse und steinige Böden eignen sich nicht. Das circa 30 cm tiefe Vorgraben von zwei leicht ansteigenden Röhren pro Wand (Durchmesser 8 cm) 80 cm unter der Oberkante und im Abstand von 70 cm voneinander hat sich bewährt. Dies gaukelt dem Eisvogel vor, dass dieser Platz bereits benützt worden ist. Alte Röhren werden oft wiederbesetzt.

Dieses Zitat soll Geschmack machen auf den vollständigen Text.

Wichtig ist uns der Hinweis, dass vor solchen Eingriffen in die Ufer unbedingt Rücksprache mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt (und ggf. dem Grundeigentümer sowie dem Fischereiberechtigten) zu nehmen ist. So berichtet Sebastian Werner, dass er bereits mit "seiner Flussmeisterei" einen größeren Bach entlang spaziert sei und dass dabei sogleich entschieden werden konnte, dass an einigen Stellen verkrautete oder abgerutschte Steilwände wieder hergestellt werden können.

 HG nach Hinweis von S. Werner

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