Umwelttipp: LBV  Starnberg

Blindschleichen

   
Blindschleichen, harmlos und nützlich! Wer kennt sie nicht, unsere Blindschleichen, so sollte man meinen. Sie sind nah verwandt mit den Eidechsen, doch ihr schlangenartiger Körper erschreckt manchmal Spaziergänger und Gartenfreunde, die diese glatt geschuppte harmlose und nützliche Echse beim ersten Anblick mit einer Schlange verwechseln.

Alle Echsen haben vier Beine, diese sind jedoch bei der Blindschleiche zurückgebildet, aber am Skelett sind Ansätze davon noch erkennbar! Als echtes Echsentier besitzt die Blindschleiche eine vorgebildete Bruchstelle am Schwanz, den sie bei Gefahr abtrennen kann. Darauf deutet auch ihr wissenschaftlicher Name Angius fragilis. „Fragilis“ heißt „zerbrechlich“. 
 
Sie hat auch bewegliche Lider, mit denen sie ihre Augen verschließen und öffnen kann. Schlangentiere besitzen alle ein unbewegliches, durchsichtiges Fenster vor der Pupille („starrer hypnotischer“ Schlangenblick). Und noch was: Im Althochdeutschen heißt die keineswegs blinde Schleiche „Plintslicho, d.h. etwa „blendender Schleicher“. Diesen Namen erhielt sie wegen ihrer wie Blei glänzenden Körperfärbung.
 
Als Lebensraum bevorzugt die Blindschleiche leicht schattige, aber warme Stellen mit geringer Feuchtigkeit. Im Garten entdecken wir sie daher z.B. manchmal in der noch ungemähten Blumenwiese (Vorsicht beim Mähen!) oder auch in gut gepflegten Kompostmieten. Im Sommerhalbjahr begegnen wir der Blindschleiche vormittags oder abends wenn sie ihren Schlupfwinkel zur Nahrungssuche verlässt. Sie findet ihre Beute, indem sie sich langsam vorwärts schlängelt und dabei durch Züngeln (Riechorgan auf der Zunge) die Umgebung nach Insektenlarven, Regenwürmern, Nacktschnecken und andere Kleintiere absucht. Mit ihren spitzen, rückwärts gebogenen Zähnchen kann sie auch die schleimigen Schnecken gut festhalten und langsam hinabwürgen.
 
Anfang Mai beginnt die Paarungszeit an verborgenen Plätzen. Nach etwa 12 Wochen, im Juli/August befreien sich die ca. 5 cm langen Jungtiere (bis zu 20 Stück) direkt bei der Geburt aus ihrer dünnen Eihülle und sind sofort selbständig lebensfähig. Junge Blindschleichen können wir ab und zu bei der Gartenarbeit finden. Sie sind schön silbergrau oder glänzen bronzefarben. Die heranwachsenden Tiere häuten sich 3-4 mal jährlich und werden bis 50 cm lang.
Im Herbst zwingt der Temperaturrückgang und der Nahrungsmangel die wechselwarmen Tiere zur Suche nach einem frostgeschützten Versteck, in dem dann mehrere Tiere entsprechend ihrer Rangordnung (!) eng umschlungen überwintern. Blindschleichen können gut 25 Jahre alt werden. Leider geraten sie bei der Suche nach Sonnenwärme oft auf Wege und Straßen. Dort werden sie überfahren, zertreten oder als Schlange erschlagen. Bitte tragen Sie diese Tiere behutsam in den nächsten Garten!

Wir können dem Überleben der unter Naturschutz stehenden Blindschleiche helfen, indem wir unsere Gärten strukturreich gestalten. Ein bisschen „Unordnung“ tut gut. Reisig-, Laub- und Steinhaufen liegen lassen oder ein Wiesenstück erst spät mähen, kein Gift usw. Und wenn wir unsere Nachbarn auch davon überzeugen, so kommt es zu einer Vernetzung vieler naturnaher Gärten. Wir werden dann mit einer Artenvielfalt belohnt, die unseren Garten zu einer faszinierenden und bereichernden Beobachtungsstelle werden lässt.