Umwelt-Tipp - Pressespiegel

LBV Starnberg

Biberberater

Der folgende Bericht wurde in der Starnberger SZ am 6.8.2004 veröffentlicht:

Franz Wimmer übt eine selten Tätigkeit aus:

Biberberater löst Konfliktfälle am Fischteich

Die größten europäischen Nagetiere breiten sich im Fünfseenland aus
und haben jetzt einen amtlichen Fürsprecher

Der Biber und sein Fürsprecher: Franz Wimmer ist der erste Biberberater im Landkreis

Photo: Fuchs

Von Sylvia Böhm-Haimerl
Stegen■ Lange galt der Biber in Deutschland als ausgerottet, seit ein paar Jahren ist er wieder auf dem Vormarsch. Zehn bis 15 Biberreviere gibt es derzeit allein im Fünfseenland, schätzt Franz Wimmer.

Als erster Biberberater im Landkreis ist er für das Ramsar-Gebiet Ammersee beim Landesbund für Vogelschutz in Stegen zuständig. Nach seinen Angaben wurden die größten heimischen Nagetiere in den 60-er Jahren an der Isar ausgesetzt und haben sich von dort bis zum Ammersee und Pilsensee ausgebreitet. Insbesondere an den Uferböschungen der Amper und ihren Nebenbächen, wie dem Inninger Bach, findet man wieder Biberreviere. Als Biberberater ist Wimmer engagiert, um Vorurteile abzubauen: "Wir wollen dieses schöne Tier wieder in die Herzen der Menschen bringen" , sagt der Diplom-Forstwirt.

Der Biber ist laut Wimmer ein "Urbayer": Schon vor 15 Millionen Jahren existierte die Art in der Region, lange bevor der erste Mensch erschien. Immer noch halte sich das Vorurteil, dass das Tier Fische frisst oder Auwälder und Uferzonen zerstört. Doch laut Wimmer hat das Tier einen hohen Nutzen, es könne sogar begradigte Bäche renaturieren. Probleme gebe es nur, wenn der bis zu 1,30 Meter lange und rund 30 Kilogramm schwere Nager in Hochwasserdämmen oder an Fischteichen gräbt.

Wie Wimmer erläutert, ernährt sich der Biber von bis zu 300 verschiedenen Grünpflanzen, hauptsächlich Wassergewächsen, aber auch Mais oder Zuckerrüben.

Baumrinde frisst das Tier vor allem im Winter. Um an die zarten Zweige heran zu kommen, fällt er Bäume von einem Stammdurchmesser bis zu 60 Zentimetern - meist Weiden oder Pappeln. Da sich der Biber als Wassertier nie mehr als 30 Meter vom Ufer wegbewegt, hält sich der Schaden dabei in Grenzen. Vielmehr sei der Mensch in natürliche Hochwasserrückhaltebecken vorgerückt und habe dem Biber damit Lebensraum entzogen, sagt Wimmer. Konflikte, die seinen Einsatz erfordern, gibt es beispielsweise, wenn Gärten direkt am Ufer eines Baches liegen. "Da kann es schon mal vorkommen, dass der Biber am Apfelbaum nagt." Doch der wirtschaftliche Schaden sei auch hier meist geringer als der ästhetische. Wimmer findet es wichtig, dass Leute diesem Fällen einen Ansprechpartner haben. Meist könne schon mit geringen Mitteln geholfen werden, etwa indem der Baum durch einen Drahtzaun geschützt wird. In Gesprächen hat er erlebt, dass die Bürger dem Tier wohlwollend gegenüber stehen, sobald die Probleme beseitigt sind.

Der Biber ist nicht etwa ausgerottet worden, weil er Schäden anrichtete, sondern weil sein Drüsensekret, das "Bibergeil", als Heilmittel galt. Darüber hinaus waren sein hochwertiges Fell und sein Fleisch sehr begehrt. Da er vorwiegend im Wasser lebt, zählte man ihn einfach zu den Fischen - so durfte sein Fleisch in der Fastenzeit verspeist werden. Informationen über das Tier erteilt Franz Wimmer unter Telefon 08143/ 8807.

 
Anmerkungen: Mit "Isar" ist das Gebiet der Isar-Mündung gemeint. 
Dipl.-Forstwirt Franz Wimmer ist im Ramsar-Büro Ammersee zusammen mit Dipl.-Geogr. Christian Niederbichler Mitarbeiter beim LBV. Beide stehen in engem Kontakt mit dem LBV Starnberg.
Mit dem gezeigten Präparat, einem zweijährigen Biber, begeistert auch Sebastian Werner vom LBV Starnberg Kinder in Kindergärten und Grundschulen für den "Urbayern" und seine sehr bemerkenswerten Eigenschaften.                      H. G.
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