Starnberger See - ein Hauptarbeitsgebiet

LBV Starnberg

Der Starnberger See
Ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (Ramsar-Gebiet),
ein EU-Vogelschutzgebiet (SPA) und FFH-Gebiet

Starnberger See mit Wettersteingebirge

Foto: H. Guckelsberger

  • In den Wintermonaten halten sich am Starnberger See bis zu 25.000 Wasservögel auf. Neben den Blessrallen und Stockenten sind das vor allem Tauchenten wie Reiherente, Tafelente, Schell- und Kolbenente.
     

  • Von herausragender Bedeutung ist der Starnberger See darüber hinaus für teilweise sehr seltene und im Bestand bedrohte See- und Lappentaucher wie den Pracht- und Sterntaucher, den Schwarzhals- und Rothalstaucher sowie den Eistaucher.
    Die meisten dieser Enten und See- und Lappentaucher brüten in Nordeuropa und sind zum Überleben auf die großen Voralpenseen - insbesondere den Starnberger See - als winterlicher Rastplatz - zB. in der Bucht bei der Roseninsel - auf dem Durchzug oder zum dauerhaften Überwintern angewiesen.
    Der See gehört deshalb zum europaweiten Netz von Lebensräumen, die im Jahreslauf eine unersetzliche Funktion für den Zug von Wasservögeln haben: Er ist ein Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel von internationaler Bedeutung (Ramsar-Gebiet) und als Gebiet von besonderer Bedeutung (SPA) nach der EU-Vogelschutzrichtlinie sowie nach der EU-Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie anerkannt. (zu: Ramsar-Konvention)
     

  • Hinzu kommt, dass er in der Bucht St. Heinrich mit weit über 50 Brutpaaren Bayerns größte Brutkolonie für die Flussseeschwalbe beherbergt.

  • Hauptziel ist es, den rastenden und überwinternden Wasservögeln ein möglichst störungsarmes Überwintern zu ermöglichen, damit sie ihre Energie- (Fett-)Reserven auffüllen, den Winter überleben und im Frühjahr möglichst fit in die nordischen Brutgebiete zurückkehren können.

  • Zu den Hauptstörfaktoren gehört leider immer noch die Wasservogeljagd, die - in der am Starnberger See ausgeübten Praxis - mit unverantwortlichen Störungen verbunden ist.
     

  • Die dringend notwendigen ganzjährigen und die winterlichen Ruhezonen finden sich in der Gewässerkarte von 2005 im Gewässer-Entwicklungs-Plan, sie sind Grundlage für freiwillige Vereinbarungen zum Schutz der Wasservögel.
     

  • Die dringend notwendigen Ruhezonen wurden in einem Merkblatt von zwei Seiten des Landratsamtes Starnberg (2006) (pdf) zusammenfassend konkretisiert. Die Rudervereinbarungen (pdf) wurden 2007 auf Grund der Erfahrungen des MRSV den Verhältnissen entsprechend angepasst. Der Bayerische Seglerverband BSV hat bereits 1997 freiwillig auf die Ausübung des Segelsports zwischen 1.11. und 31.3. verzichtet, die Werftbesitzer haben sich diesem Votum für die Natur erfreulicherweise angeschlossen.
     

  • Vermeidbare Störungen müssen wir jedoch leider noch immer beobachten, ausgelöst zB von vereinzelten Booten und  Kajakfahrern, welche die Bucht bei der Roseninsel trotz des dortigen Durchfahrverbots (Fischschonstätte!) durchqueren und dabei - erstaunlich genug - die Massenfluchten der dort ruhenden Wasservögel anscheinend nicht zur Kenntnis nehmen.

Wegen seiner überragenden Bedeutung als "Trittsteinbiotop" im interkontinentalen Vogelzug hat der Starnberger See den Status eines Ramsar-Gebietes (1976) und den eines Europäischen Schutzgebietes (SPA) nach der EU-Vogelschutzrichtlinie (2000); er wurde darüber hinaus 2004 als FFH-Gebiet ausgewiesen. So findet sich hier der weltweit einzige Standort des endemischen Bodensee-Vergissmeinnichts außerhalb des Bodensee-Raums.

Der LBV Starnberg sieht sich deshalb in besonderer Verantwortung für Bayerns zweitgrößten See, seine Ufer und Röhrichtbestände sowie sein Einzugsgebiet.

Der LBV Starnberg und der Gebietsbetreuer für den Starnberger See beim LBV veranstalten zur Information Wasservogelbeobachtungstage. Nach dem britischen Vorbild von "showing birds to people" können im Herbst und Frühwinter von festen Beobachtungsplätzen aus die Wasservögel mit Spektiven -  stark (20 - 60-fach) vergrößernden Ferngläsern - beobachtet werden. (siehe auch Ramsar-Tag)
 

Gründe für diese überragende Bedeutung sind u. a.
  • Der See friert im Durchschnitt nur alle 10 Jahre zu, bietet also fast immer Rast- und Nahrungsraum für Wasservögel.
  • Er hat eine große Sichttiefe (bis zu 14 m), d.h. er bietet ausgezeichnete Sichtbedingungen für tauchende Vögel, vor allem für seltene und bedrohte Fisch fressende Arten: See- und Lappentaucher, deren Brutgebiete im Baltikum, in Skandinavien und Westsibirien liegen.
  • Er bietet ein gutes Nahrungsangebot insbesondere für Tauchenten (u. a. wegen der Armleuchteralgen und der Dreikantmuschel). Auch sie sind Brutvögel des Ostsee-Raums.
  • Er gehört zu Bayerns "saubersten" Seen und gehört als "Oligotrophes kalkhaltiges Gewässer mit benthischer Vegetation mit Armleuchteralgen (Characeen)" einem europaweit besonders zu schützenden Lebensraumtypus der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) der EU an.
Der Gewässerentwicklungsplan für den Starnberger See und seine Umsetzung
Der Gewässerentwicklungsplan 2005 (GEP) für den Starnberger See wurde am 4. Mai 2005 vorgestellt. Durch ihn werden die Verantwortlichen, insbesondere aber die Seeanlieger und deren politischen Gemeinden aufgefordert, "in
      ● gemeinsamem Handeln unter kommunaler Führung
      ● die ökologische Qualität des Sees
           -   durch nachhaltigen Schutz von Fauna und Flora sowie durch
           -   Renaturierung der Ufer und der Zuflüsse
         zu sichern und dabei
      ● die Nutzerinteressen zu lenken und die Bedingungen für mehrtägige Erholung zu verbessern
      ● im Einklang von Natur, Kultur, Erholung und Wirtschaft."                         H.G.
Mehr dazu: Statement des LBV zum GEP; GEP- Arbeitsplan LBV
Presse zur Vorstellung des GEP: SZ-STA vom 6.5.2005 Vorstellung des GEP beim "BUZENTAUR":
"See nicht sich selbst überlassen"
zu Bürgerinformation: "Neue Ufer braucht der See"  
ausführlicher siehe: Geographie-Politik-Naturschutz-Gebietsbetreuung
Wasservögel am Starnberger See
Ganzjährig am See und Brutvögel 
Höckerschwan Graugans Kanadagans Gänsesäger Land- und Seebote 1890
Stockente Kolbenente Eiderente    
Blessralle Lachmöwe Haubentaucher    
Brutvogel, nur im Sommer am See
Flussseeschwalbe        
Vorwiegend Wintergäste in großer Anzahl:
Herbstansammlung bei der Roseninsel      
Reiherente Tafelente Schellente Pfeifente Krickente 
Schnatterente Kolbenente      
Regelmäßige Wintergäste in kleiner Anzahl (seltene und bedrohte Arten)
Sterntaucher Prachttaucher Eistaucher    

Schwarzhalstaucher

Rothalstaucher Zwergtaucher    
Zwergmöwe Mittelmeermöwe Rohrdommel    
Einzel-Individuen, Gefangenschaftsflüchtlinge, Irrgäste, Hybriden, "Exoten":
z. Zt. vereinzelt oder nur gelegentlich anwesend
 "Exoten": Schwanengans, Flamingos
Weisswangengans
Hybrid Zwerggans-Zwergkanadagans Behinderung bei Wasservögeln  
Rostgans, Nilgans und andere     zur SZ-Serie "Wasservögel"
zu: Neue Karte (groß) nach dem Gewässerentwicklungsplan 2005
Ruhezone Nordbucht
nördlich der Linie Jachthafen  - Possenhofen - Dampfersteg Leoni

Ruhezone Roseninsel und Gestade von Feldafing (Bucht!) bis etwa Garatshausen
Ruhezone Ostufer Allmannshausen bis Seeheim

Ruhezone Karpfenwinkel und Horn
zwischen Südbad und dem Horn bei Höhenried, darin enthalten das Naturschutzgebiet "Karpfenwinkel" (See-Anteil)
Ruhezone Südbucht
südlich der Linie Bernrieder Park - Ambacher Erholungsgelände-Nord

Gestzlich "Geschützter Landschaftsbestandteil"
"Vogelschutzgebiet Bucht von St. Heinrich"

 Winterliche Ruhezonen für Wasservögel nach den Vereinbarungen von 1997 (alte Karte):
zu: Große
(alte) Karte

StarnbergerSee Ruhezone Nordbucht
nördlich der Linie Jachthafen  - Possenhofen - Dampfersteg Leoni

Ruhezone Roseninsel und Gestade von Feldafing

Ruhezone Karpfenwinkel und Horn
zwischen Unterzeismering und dem Horn bei Höhenried, darin enthalten das Naturschutzgebiet "Karpfenwinkel" (See-Anteil)

Ruhezone Südbucht
südlich der Linie Dampfersteg Bernried - Dampfersteg Ambach

Geschützter Landschaftsbestandteil
"Vogelschutzgebiet Bucht von St. Heinrich"

 

Ruhezonen für Wasservögel: Vereinbarungen von 1997

Starnberger See, Ammersee und Chiemsee sind als Winterquartier für Wat- und Wasservögel, sowie als Rast- und Mauserplatz im Vogelzuggeschehen von herausragender Bedeutung. Durch Nutzungen verschiedener Art werden die Vögel jedoch empfindlich gestört. Gegen Störungen (noch immer: Starkwind- oder Kite-Surfen, teilweise auch zu tief fahrende Heißluftballons (nach positiven Gesprächen kaum mehr aufgetreten!) sollen deshalb Ruhezonen für die Wasservögel durch freiwillige Vereinbarungen gesichert werden. Zur Ruhezonenkarte nach dem Gewässerentwicklungsplan (GEP), konkretisiert in den Ruhezonen und Rudervereinbarungen von 2007 (pdf).
Die o. g. winterlichen Ruhezonen wurden nach den naturschutzfachlichen Erkenntnissen im Zusammenhang mit dem Gewässerentwicklungsplan 2005 präziser gefasst, am Ostufer so erweitert, wie dies bereits im Arten- und Biotopschutzprogramm fachlich begründet worden war. Hinzu kommt die Benennung von Schutzgebieten, die ganzjährigen Schutzes (für Röhricht, Fischkinderstube, Brut- und Mausergebiete für Vögel) bedürfen. Die entsprechenden Karten werden wir hier nachtragen.
Der LBV hegt die Hoffnung, dass die bisherigen freiwilligen Vereinbarungen - ggf. geringfügig modifiziert - übernommen werden.

Regelmäßige internationale Wasservogelzählung

Auch am Starnberger See werden von Feldornithologen, also kenntnisreichen, mit Fernglas und Spektiv ausgerüsteten Wasservogelbeobachtern, jeweils zur Monatsmitte die Wasservögel gezählt. (Zeitungsbericht: "Mit dem Wasservogelzähler unterwegs" am Ammersee). Diese Zählungen, für die sich nahezu weltweit freiwillige Helfer zusammengefunden haben, werden vom Dachverband Deutscher Avifaunisten gesammelt, national ausgewertet und zur zentralen Auswertung an die internationale Zentrale in England weitergemeldet. die Ergebnisse sind eine wichtige Grundlagen für politische Entscheidungen zum Schutz der Wasservögel, insbesondere der ziehenden Arten.
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Ramsar-Konvention   

 

Bau eines neuen Nistfloßes für die Flussseeschwalbe 2008/09

 

zu Freiwillige Vereinbarungen   

 

zu: Zehn Jahre Freiwillige Vereinbarungen - eine Zwischenbilanz   

  Gänse - Jagd oder Reduktion? (Rechtslage)
 

"Paradies für Ruhesuchende" (Münchner Merkur 10./11.11.2012)