Starnberger See

LBV Starnberg

Störungen vor allem der Winterruhe von Wasservögeln.
hier: zu niedrig fahrender Heissluft-Ballon
Am Platanen-Rondell bei der Roseninsel
19.11.2006, ca. 12:15 Uhr
Während einer öffentlichen Wasservogel-Beobachtung mit Spektiven am 19.11.2006, ca. 12:15 Uhr, näherte sich dieser Heißluftballon zunächst lautlos, aber in geringer Höhe, dem See.   Nach Überqueren des Sees ging der Ballon nahe Leoni an Land nieder. s. weiteres Foto.
Unter den in der Roseninsel-Bucht ruhenden Tauchenten - darunter zahlreiche Kolbenenten - machte sich zunächst erhebliche Unruhe bemerkbar, dann flog ein großer Teil auf.   Tief fahrende Ballons stellen ein erhebliches Störpotential für rastende Wasservögel, aber auch z.B. für brütende Vögel (v. a. Wiesenbrüter im Frühjahr-Frühsommer) wie z.B. im Ammer- und Ampermoos dar. Diese Beobachtungen gelten ebenso für den Ammersee, wo nicht nur, aber vor allem das Südende ein besonders sensibler Bereich ist.
Beim Überfahren der Uferlinie wurde der Brenner eingeschaltet - mit dem Ergebnis, dass auch noch der Rest der rastenden Wasservögel aufflog und aus der Bucht in Richtung Freiwasser floh.  
Der Ballon fuhr zweifellos in viel zu geringer Höhe. Es ist nicht vorstellbar, dass die Passagiere, erst recht aber der Ballonführer, die durchaus nicht lautlose Massenflucht der aufgescheuchten Wasservögel nicht bemerkt haben.   Ballonpiloten sollten über den großen Seen (Ramsar-Gebieten) - wie über Siedlungsgebieten - eine Mindesthöhe von 300 m / 1.000 Fuß (besser: 600 m / 2000 ft) einhalten. Die freiwilligen Vereinbarungen, wie sie mit dem Bayerischen Seglerverband, dem Ruderverband, den Tauchern der Bundeswehr-Pioniere, den Werftbesitzern und den Berufsfischern am Starnberger See getroffen wurden, können als Vorbild dienen.
Nachtrag (Mai 2010):    
Im Sommer 2008 fand auf Anregung von Christian Niederbichler, Ramsargebietsbetreuer für den Ammersee, ein gemeinsames Gespräch mit nahezu allen im Fünfseenland aktiven "Ballönern" sowie mit den Präsidenten der beiden Ballonsportverbände mit uns Naturschützern vom LBV statt. Am "Binnensee" nahe der Neuen Ammer wurden in sehr freundlicher Atmosphäre die beiderseitigen Standpunkte und Probleme erläutert. Dies führte zu einer spontanen freiwilligen Selbstverpflichtung der Ballon-Piloten, über sensiblen Bereichen beider großen Seen und zu den kritischen Jahreszeiten die Mindesthöhen von 300 m bzw. 600 m einzuhalten.

Als besonders sensible Bereiche gelten hier die Überwinterungsgebiete bzw. Winterrastgebiete der Wasservögel auf den großen Seen, aber auch die Brut- und Mausergebiete an Uferstreifen mit Röhricht oder in den Streuwiesen im Ammermoos (etwa Fischen-Pähl-Raisting-Dießen) und Ampermoos.
Seitdem wurden uns keine gravierenderen Störungen durch zu tief fahrende Ballons oder durch Ballons, die zu nahe an sensiblen Bereichen niedergehen, gemeldet - ein sehr erfreulicher regionaler Erfolg für den Vogelschutz, und den regionalen Ballon-Piloten sei herzlich gedankt.

  Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat sich zugleich des Problems angenommen, und unsere gewachsenen guten Kontakte zum Deutschen Aero-Club (DAeC) und zum Bundesamt für Naturschutz (BfN), die für die Flugsicherheitskarten zuständig sind, haben dazu geführt, dass sich ein Arbeitskreis gebildet hat. Dort werden die Probleme, welche langsam fliegende bzw. fahrende Luftfahrzeuge - also Hubschrauber, Gleitschirmflieger und Ballons - für die Vogelwelt vor allem in besonderen Schutzgebieten (SPA - Special Protection Areas, also Vogelschutzgebieten nach der EU-Vogelschutzrichtlinie / NATURA 2000) erfasst. Zugleich wird nach Wegen gesucht, in diesen Gebieten Störungen zu vermeiden.
In einem Pilotprojekt, an dem wir uns (natürlich) für den Starnberger See und den Ammersee beteiligen, sollen entsprechende "ABA-II-Karten" entwickelt werden; gedacht sind sie als Ergänzungen zu den (für schnelle Luftfahrzeuge gedachten) ursprünglichen "ABA"-Karten. Diese Ergänzungskarten "ABA-II" werden zunächst für ausgewählte Gebiete in Bayern entwickelt und fachlich begründet. Berücksichtigt werden dabei die speziellen Bedürfnisse dieser Luftfahrzeuge und ihrer Piloten. Dazu gehören etwa aus der Luft erkennbare Landmarken und notwendige Pufferzonen. Ziel ist es, diese Arbeit dann auf ganz Bayern und die ganze Bundesrepublik zu übertragen. Diese sollen den "Ballönern" zugänglich gemacht und als (dringende) Empfehlung für das Einhalten einer freiwilligen Vereinbarung dienen.

Unsere ursprünglichen Störungsbeobachtungen haben somit langfristig einem positives Ergebnis den Weg bereitet.
H. Guckelsberger

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