Starnberger See - zum Gewässerentwicklungsplan
Bürgerinformation zur Gestaltung von Ufern
Neue Ufer braucht der See!
So? oder so!
Beispiel für eine gelungene Seeuferverbesserung auf privatem Grund -
der See und das Grundstück sind die Gewinner

Fotos: Wasserwirtschaftsamt Weilheim (früher München)

Am Starnberger See sind knapp 40% des Ufers „vermauert“ oder, so der Fachbegriff, „hart verbaut“. Mauern, Spundwände oder Flussbausteine sind manchmal sinnvoll, etwa bei einem schmalen Grundstück, im Hafenbereich, an einer Promenade oder einer Bootslände. Häufig sind sie jedoch überflüssig, überdimensioniert und überteuert obendrein. Gelegentlich sind sie eine Schande fürs Auge.

An naturnahen Ufern wachsen eine Reihe seltener Baum- und Straucharten, die erhalten und nachgepflanzt werden sollten: Dazu gehören die Schwarzpappel, die Flatterulme und der farbenprächtige Feldahorn. Einen dunkelgrünen Akzent kann man mit Eiben setzen.

Zu den empfehlenswerten, weil standortgerechten Sträuchern gehören die (dornenlose) Alpenheckenrose, die Mandelweide und die – überaus seltene – Lorbeerweide, alles gute Ufersicherer.

In den alten Baumbeständen um den See gibt es eine Reihe von Käfern, die unbedingt starkes, dürres oder morsches Holz von Laubbäumen benötigen. Der berühmteste darunter ist wohl der Hirschkäfer: Wenn ein alter Baum umgeschnitten werden muss, so kann man den Stamm irgendwo ablegen, noch Jahre dient er dann als „Käferwiege“.

Schilf – ein besonderer Lebensraum
Schilfröhrichte und Binsen sind ökologisch besonders wertvoll und der beste Uferschutz. Schilf ist aber empfindlich gegen Tritt, Bootsverkehr, scherendes Treibholz und ähnliche Belastung. Es leidet auch stark unter dem Verbiss durch Schwan, Grau- und Kanadagans.

Die Schilfbestände haben in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen. Dies bereitet Fischern, Vogel- und Naturschützern große Sorgen. Durch Zäunung wird an geeigneten Stellen versucht, die Restbestände zu schützen; dabei hilft das Wasserwirtschaftsamt Weilheim.

Naturnaher Uferschutz
wird von allen Behörden befürwortet, die Ausführung ggf. auch durch die Flussmeisterei unterstützt.

Viele weitere Informationen zum See und dem jüngst fertig gestellten „Gewässerentwicklungsplan für den Starnberger See“ finden Sie auf der website des Wasserwirtschafsamtes Weilheim unter www.wwa-wm.bayern.de. Das Planwerk liegt auch in der Gemeinde zur Einsicht auf. Hinweise finden Sie auch auf der website des LBV Starnberg unter www.lbv-starnberg.de unter „Starnberger See“.

Sebastian Werner
Landesbund für Vogelschutz (LBV)
Kreisgruppe Starnberg

Anmerkung:
Auch viele öffentliche Ufer lassen sich naturnah - und sehr viel schöner als derzeit - gestalten. Der Gewässerentwicklungsplan gibt auch hierzu Empfehlungen. Der LBV wird einige Beispiele dazu zeigen.

 

Flache Ufer sind auf alle Fälle ökologisch sinnvoll; die größte Bedeutung haben sie wohl für die Fischwelt: Hecht, Zander, Schleie laichen im Flachwasser, für viele andere Arten sind seichte Uferzonen der „Kindergarten“. Elementar sind sie für zwei leider bereits ausgestorbene Kleinfischarten: zum einen die Elritze, zum anderen die Mühlkoppe.
Im vergangenen Jahr haben die Berufsfischer an der Starzenbach-Mündung bei Possenhofen versucht, Elritzen wieder einzubürgern. Im Erfolgsfall will man demnächst auch Mühlkoppen einsetzen, die man nach Aussagen älterer Fischer früher „fast unter jedem Stein“ finden konnte.
Kiesufer sind Lebensraum seltener Laufkäfer, sie dienen der vom Aussterben bedrohten „Kleinen Zangenlibelle“ zur Eiablage, und bei entsprechender Bepflanzung nutzen sie auch der heimischen Vogelwelt.

Mit diesem Text wollen wir vor allem die Eigentümer von Seeufergrundstücken ermutigen:

Bauen Sie Ufermauern nach Möglichkeit zurück.
Sofern dies nicht möglich ist: Sanieren Sie Ufermauern behutsam und „naturnäher”.
Fördern Sie Schilf und die natürliche Ufervegetation.
An die Bürgerschaft appellieren wir:
Schonen Sie natürliche Uferbereiche
Nutzen Sie nur die ausgewiesenen Badebereiche.

Wellen mögen’s flach

Wellenschlag kann zu Ufererosion führen – man kann diese Energie aber auf verschiedene Weise auffangen: Mit groben Steinen, mit einer versetzten Palisade aus Holz, mit unauffälligen Drahtschotterkörben (“Gabionen”) oder – am günstigsten – mit einem flach auslaufenden Riff.
Dabei werden an der Niedrigwassergrenze faustgroße Steine, „Bummerl“, geschüttet und die Böschung bis zur Hochwassergrenze mit Kieselsteinen aufgefüllt. Schüttwinkel und Körnung hängen von de Lage des Grundstücks und seiner Exposition ab. Bei fachgerechter Planung und Ausführung bleibt die Grundstücksgröße erhalten, die Wellen können auslaufen, der See kann wieder „atmen“.
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zu Bildbeispiele 1 und Bildbeispie 2 (verlängerte Ladezeit)

Mitbürger, die ihr Ufer sanieren müssen oder renaturieren wollen, können sich in fachlichen Fragen wenden an:
Wasserwirtschaftsamt Weilheim, Abtl. Starnberg, Tel Nr. 0881 – 182 – 0
Christian Ufer - Fa. Terrabiota, , Tel. Nr. 08151 – 55 54 00 hat uns hier beraten.
In planungs- und baurechtlichen Fragen - denn jeder Uferverbau ist erlaubnispflichtig - wende man sich an:
Landratsamt Starnberg, Sachgebiet Wasserrecht, Tel Nr. 08151 148 – 0
Seeverwaltung Starnberg, Tel. Nr. 08151 - 69 75
Für Fotos und Anregungen danken wir:
- Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt Winfried Jerney, München
- Christian Ufer - Fa. Terrabiota, Starnberg
- Dipl.-Ing. Umweltplanung Bernhard Döhla, Ammerland
- Wasserwirtschaftsamt München, jetzt WWA Weilheim
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