aus Rundbrief 2010/1

LBV Starnberg

 Die Birken – Zielarten im Waldnaturschutz

Wie vor einigen Jahren bereits im Rundbrief erwähnt, betreut die Kreisgruppe mehrere Vorkommen der Arktischen Strauchbirke (Betula humilis) in den Gemeindegebieten von Gilching, Tutzing und Andechs. Projektpartner sind die untere Naturschutzbehörde, die Staatsforstverwaltung und der Forstbetrieb München.

Es handelt sich bei der Strauchbirke um ein sog. Glazialrelikt. Vor etwa 12 000 Jahren, als sich die Gletscher der Würmeiszeit zurückzogen hatten und das Alpenvorland den heutigen nordischen Tundren ähnelte, war sie weit verbreitet. Heute kommt die Strauchbirke – sie wird 1,6 m hoch, ihre Blätter haben die Große eines Fingernagels - bei uns nur noch am Rande einiger Moore vor.

Die meisten Vorkommen sind winzig und bestehen nur noch aus wenigen Exemplaren. Zwei Vorkommen haben wir gezäunt, zum Schutz vor Verbiss und versehentlicher Mahd, da sie am Rande von Streuwiesen wachsen, deren Mahd ansonsten ausdrücklich erwünscht ist.

  Aus Sicht des Naturschutzes haben Birken besondere Bedeutung für Flechten, für holzzersetzende Pilze und für Insekten - es werden "enorme Mengen an Blütenstaub freigesetzt". Spechte gehen besonders gerne auf Nahrungssuche an alte, grobrindige und dürre Birken. Nach der Eiche und den Weiden stehen die Birken auf Platz 3 in Hinblick auf den Artenreichtum an Bäumen. Allgemein sind sie bewunderungswürdige Hungerkünstler, die mit Nässe und den kargen Bedingungen eines Moores ebenso zurechtkommen wie mit einer nährstoffarmen, trockenen Kiesfläche.

Die Förderung der Birke ist eine komplexe, aber wenig spektakuläre Aufgabe. Zu den Maßnahmen, die wir durchführen, gehören u. a. das Freistellen verschatteter Birken, das Auf-den-Stock-setzen junger Birken und das Schälen (Schebsen) einzelner Bäume zur Erhöhung des Anteils stehenden „Tot"holzes. In Holzhaufen aus Birkenholz, die wir anlegen, finden Eidechsen, Blindschleichen und Amphibien einen guten Unterschlupf.

Seit einigen Jahren widmen wir aber auch den „normalen" Sand-(oder Weiß-)birken (Betula pendula) und Moorbirken (Betula pubescens) im "Kreuzlinger Forst", den "Wildenrother" und den "Kerschlacher" Wäldern besondere Aufmerksamkeit. Forstwirtschaftlich sind sie von nachrangiger Bedeutung, und so hat man bis in die achtziger Jahre die Birken etwas vernachlässigt. Die großen Stürme Vivian und Wiebke anfangs der neunziger Jahre haben ihr die Rückkehr erleichtert; vor allem in jungen Laubholzbeständen hat sie eine wichtige Funktion bei der Stabilisierung des Bestandes.  

Der wohl schönste Birkenwald im Landkreis findet sich bei Breitbrunn. Dort wird sogar Wertholz produziert, welches auf Holzversteigerungen sehr gute Preise erzielt. Zudem ist es ein schönes Kaminholz, es besitzt den höchsten Heizwert unter den heimischen Hölzern.

   

Sebastian Werner

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