| Service - aus Rundbrief 2009/2 |
LBV Starnberg |
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Der Mittelspecht - |
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Mit seinem dünneren und kürzeren Schnabel
stochert der Mittelspecht eher in grobborkiger Rinde nach
Insekten und Spinnen als dass er, wie sein etwas größerer
Bruder, der Buntspecht, Löcher in Bäume hackt, um holzbewohnende
Insekten herauszuholen. Sein relativ kleines Verbreitungsgebiet reicht von Nordspanien und Südeuropa bis Westrussland. Mittel- und Osteuropa sind sein Kerngebiet, etwa 20% brüten in Deutschland. Stärker spezialisiert und damit weniger verbreitet als der Buntspecht, stellt er höhere Ansprüche an seinen Lebensraum: Mildes Klima und reich gegliederte Laubwälder, vor allem Eichen-Hainbuchenwälder oder Erlen-Bruchwälder braucht er. Daher finden sich in Südbayern nur wenige geeignete Reviere, eines davon liegt am klimatisch begünstigten Ammersee. Tobias Zehetmair, einer unserer Aktiven, hat in seiner Diplomarbeit an der TU München untersucht, wie der Wald, seine Struktur und Bewirtschaftungsform für Dendrocopus medius optimal aussehen sollten, welche Maßnahmen ihm schaden. Entscheidend ist ein sehr hoher Anteil an Laubholz mit hohem Anteil an Bäumen mit grober Borke. In der Diplomarbeit werden diese Daten quantitativ belegt, was hier zu weit führen würde. Die spezielle Zusammensetzung der Baumarten spielt eine geringere Rolle. Hatte man bisher der Eiche die größte Bedeutung beigemessen, so zeigt sich hier, dass auch Ulme, Esche, Linde und Schwarzerle - allgemein: artenreiche, strukturreiche mittel-alte Laubholzbestände - förderlich sind. |
Bemerkenswert ist, dass es "geeignete
forstliche Bewirtschaftung" ist, durch die der Mittelspecht
gefördert wird: Auch Baumarten mit glatter Rinde wie
Bergahorn, Buche oder Hainbuche sind geeignet, wenn sie nur alt
genug werden dürfen, denn sie entwickeln in höherem Alter eine
grobe Borke. Mit Durchforstung können alte Laubbäume mit weit
ausladenden, totholzreichen Kronen vor Bedrängern aus der
unteren Baum-Strauchschicht bewahrt werden. Und natürlich
fördert ein hoher Totholzanteil, also Belassen auch geschädigter
Bäume, den Mittelspecht, und nicht nur ihn. Der Mittelspecht steht auf der "Vorwarnstufe" der Roten Listen Deutschlands und Bayerns. Er ist eine sog. "Anhang I - Art" der Europäischen Vogelschutzrichtlinie und damit eine "prioritäre Art" für das Natura-2000-Netzwerk. Er ist nicht nur als Vogelart für sich genommen schutz- und förderwürdig. Vielmehr steht er als eine "Leitart" für Auwälder und alte Eichen-Buchenwald-Gesellschaften. Für diese Waldgesellschaften trägt Deutschland weltweit besondere Verantwortung. Seine Förderung passt genau in das vom LBV Starnberg verfolgte Konzept, zusammen mit "dem Forst" durch geeignete Bewirtschaftung standortgerechte strukturreiche Wälder mit hohem Anteil an Alt- und Totholz zu fördern. Tobias Zehetmair hatte die hier zusammengefassten Daten auf unserer Jahreshauptversammlung 2008 vorgestellt. Eine Kurzfassung seiner Arbeit wird demnächst im "Ornithologischen Anzeiger" veröffentlicht werden. |
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Horst Guckelsberger |
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