Service - aus Rundbrief 2008/1

LBV Starnberg

Wissenschaft und Praxis

Moorkunde 
Seit Jahren pflegen wir Erfahrungsaustausch mit Moorschützern aus der brandenburgischen Forst- und Naturschutzverwaltung. Geringe Jahresniederschläge und sinkende Grundwasserstände, verstärkt durch die völlig verfehlte Agrar- und Forstpolitik der DDR und der Klimawandel stellen die dortigen Kollegen vor besondere Herausforderungen.

An der Humboldt-Universität zu Berlin hat Christian Klingenfuß im Frühjahr 2008 seine Masterarbeit „Anwendbarkeit des Entscheidungsunterstützungssystems "dss-wams" am Beispiel von Waldmooren in der oberbayerischen Jungmoränen-Landschaft“ vorgelegt. Hinter diesem etwas sperrigen Titel verbirgt sich u. a. auch eine Analyse von Moor-Projekten unserer Kreisgruppe.

Interessant ist an diesem "Entscheidungsunterstützungssystem", dass hier mit bodenkundlichen Merkmalen die (Rest-)Qualität von Mooren bewertet wird - und diese sind einfacher, schneller und damit billiger zu erheben als die sonst üblichen vegetationskundlichen Kriterien.
Bei den Arbeiten dazu wurde u. a. ein uns bisher unbekannter, sehr seltener Moortypus, ein "Buchenlaub-Moor", in einem kleinen Toteisloch entdeckt. Nicht Torfmoose, sondern Buchenlaub baut diesen Moorkörper auf; Schutz und Pflege haben sich an völlig anderen Gesichtspunkten zu orientieren als bei einem sonst üblichen Moor.

In der Arbeit wird auch vorgeschlagen, mehrere kleine Toteislöcher in den Wäldern westlich Gilching zu sanieren, da sie durch Entwässerung geschädigt wurden. Eine Sanierung, sofern behutsam und geschickt durchgeführt, würde auch den dort vorkommenden Amphibien, speziell dem Kammmolch, dem Springfrosch und der Gelbbauchunke nützen. Die Arbeiten dazu sind unter Federführung des zuständigen Revierförsters inzwischen angelaufen, werden sich voraussichtlich aber über etliche Jahre hinziehen.

Sebastian Werner

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