| Service - aus Rundbrief 2007/2 |
LBV Starnberg |
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Zum 300sten Geburtstag des großen Biologen |
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| Carl von Linné | ||
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Schon vor 300 Jahren war klar: Je intensiver man
die Biologie wissenschaftlich betrieb, um so wichtiger wurde es,
die zu untersuchenden Lebewesen exakt zu benennen, um
vorhandenes Wissen darüber sammeln und vergleichbar machen zu
können. Man vergab deshalb vom Lateinischen abgeleitete Namen.
Latein war im Mittelalter die universelle Gelehrtensprache
gewesen, die in Krakau wie in Dublin, Uppsala oder Palermo
verstanden wurde.
Wissenschaftlichen Namen ermöglichen erst die Kommunikation zwischen Biologen verschiedener Muttersprachen: Wo der Franzose „Fuligule morillon“, der Brite "Tufted duck" sagt, sagt der Deutsche "Reiherente". Mit Aythya fuligula weiß auch der Spanier, dass er diese Art als "Porron moñudo" kennt. Mit Volksnamen käme es schon im süddeutschen Raum zu Missverständnissen: Unter "Butterblume" kann hier sowohl die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) als auch die Trollblume (Trollius europeus) verstanden werden, beides Hahnenfußgewächse. Im Niederdeutschen wird damit der (Gemeine) Löwenzahn (Taraxacum offizinale) verstanden, der Niederbayer nennt ihn "Milligras" und ist ein Korbblütler. Mit der wissenschaftlichen Nomenklatur wurde auch die systematische Benennung neu entdeckter Arten möglich, für die es keinerlei Volksnamen gibt. Einen entscheidenden und genialen Schritt über die reine Benennung hinaus zur systematischen Klassifizierung der Lebewesen verdanken wir aber dem schwedischen Mediziner und Botaniker Linné, dessen dreihundertsten Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird. Carl von Linné wurde am 23. Mai 1707 in der Gemeinde Stenbrohult in der südschwedischen Provinz Småland geboren. Schon Carls Vater interessierte sich sehr für Pflanzen und gab sich, da er wie viele Schweden keinen offiziellen Nachnamen hatte, selbst den Namen Linnaeus, eine Latinisierung des småländischen Dialektwortes linn (dt. Linde), nach einem Lindenbaum nahe seinem Geburtshaus. |
Nach einem Medizinstudium erhielt
Carl mit 32 Jahren eine Lehrstuhl an der Universität von
Uppsala. 1735 erschien seine Abhandlung „Systema naturae“
(Systematik der Natur), die ein System der Klassifikation von
Organismen bot. Ein wichtiges Merkmal seiner Taxonomie ist die
binäre Nomenklatur: Jede Art hat einen lateinischen Namen, der
aus zwei Teilen besteht, wobei das erste Wort die Gattung nennt,
welcher der Organismus angehört, das zweite Wort die Art
bezeichnet (z.B. Hundsveilchen: Viola canina). Linné
dehnte sein System auf Tiere und Mineralien aus.
Die Einordnung folgte äußeren
Merkmalen, sie muss mit fortschreitender Erkenntnis -
insbesondere jetzt infolge genetischer Untersuchungen - immer
wieder revidiert werden; sie bildet aber bis heute die Grundlage
der biologischen Systematik. Von der 12. Auflage seines
„Natursystems“ (1766) an stellte Linné erstmals den Menschen
unter der Bezeichnung „Homo sapiens“ in die Ordnung
„Herrentiere“(!) (neben den Schimpansen und den Orang-Utan).
Interessanterweise führte er auch eine zweite Art für den
Menschen ein, den „Homo nocturnus“. Anscheinend hat dies zu
lebhaften Diskussionen geführt, denn eine Stärke dieser
Klassifizierung ist ja ihre Eindeutigkeit; so könnte - nach
Linné! - ein Mensch nur homo sapiens oder homo nocturnus sein,
nicht aber beides. So mancher notorischer "Nachtarbeiter" mag da
ins Grübeln kommen... Patrick Fantou |
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