| LBV-Positionen und Schutzbestimmungen |
LBV Starnberg |
| Saatkrähe - Rabenkrähe | |
| Saatkrähe: häufiger Wintergast - seltener Brutvogel | |||
| In Bayern gibt es nur noch wenige Brutkolonien der Saatkrähe, dem "Vogel des Jahres 1986". Sie sind seltene, gefährdete Singvögel und stehen deshalb auf der Roten Liste. Der LBV stellt diesen interessanten Zug- und Brutvogel, der in unseren Breiten überwintert, vor. | |||
| Die riesigen, mit Dohlen vergesellschafteten Schwärme der Saatkrähe aus Osteuropa, die im Winter nach Deutschland (z.B. Berlin, aber auch nach München oder ins Würmtal) ziehen, können leicht ein falsches Bild vom Brutbestand vermitteln. Die Saatkrähe ist nämlich ein bedrohter Brutvogel. In Bayern gibt es derzeit nur noch etwa 3.200 Brutpaare, die in wenigen, kleinen Kolonien brüten (um 1900 waren es fast 11.000 Brutpaare). | |||
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Rabenkrähe Corvus corone |
Saatkrähe Corvus frugilegus |
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| Auffällig laut sind Saatkrähe nur in einem kurzen Zeitraum zu Beginn und am Ende der Brutperiode. Dies ist allerdings auch der Zeitraum, in dem wir Menschen nach der Winterpause erstmals wieder Balkon, Terrasse und Garten genießen wollen. Vielleicht können SIE sich den Menschen anschließen, die gerade im Sozialverhalten, in Nestbau und Brutgeschehen der Saatkrähe nicht eine Belästigung, sondern ein besonderes und nicht häufiges Naturerlebnis sehen können. | |||
| Auftretende Probleme mit Saatkrähen an Schlafplätzen oder Koloniestandorten wegen Lärm oder Schmutz können oft unbürokratisch entschärft werden. Fragen Sie Ihre LBV-Kreisgruppe oder die zuständige Naturschutzbehörde. | |||
| Die Saatkrähe wird sehr leicht mit der Rabenkrähe verwechselt, einem häufigen Brutvogel (realistischen Schätzungen zufolge 40.000 - 80.000 Brutpaare in Bayern). | |||
| Wichtigste Unterscheidungsmerkmale sind bei der (adulten, also erwachsenen) Saatkrähe | |||
| ● | die weißliche Schnabelbasis, | ||
| ● | die steilere Stirn, | ||
| ● | das bläulich-schwarz schimmernde Gefieder | ||
| ● | der spitzere Schnabel | ||
| ● | und die struppigen „Hosen“. | ||
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Die Rabenkrähe darf nach Erlass einer Länderverordnung (z.B. Bayern), oder im Rahmen von Einzelfallausnahmen nach Bundesnaturschutzgesetz bejagt werden. |
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| Die besonders geschützte Saatkrähe hingegen darf gemäß EU-Vogelschutzrichtlinie dagegen nicht bejagt werden. Ebenso ist sie über die Bundesartenschutzverordnung, das Bundesnaturschutzgesetz und das Bayerische Naturschutzgesetz geschützt und unterliegt nicht den Jagdgesetzen. | |||
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In Bayern wie in anderen Bundesländern
entstanden durch starke Intensivierung der Landwirtschaft
vielerorts landwirtschaftlich Monokulturen. Mit dem damit
verbundenen Einsatz von Insektiziden gegen landwirtschaftliche
Schädlinge ging das Nahrungsangebot für die Saatkrähe
an Feldwanzen, Schnecken, Erdraupen, Getreide-käferlarven,
Drahtwürmern, Engerlingen und Kartoffelkäfern, aber auch Feld-
und Wühlmäusen stark zurück. In solchen Gebieten kann sie ihre Jungen überhaupt nur noch aufziehen, wenn sie auf pflanzliche Nahrung ausweicht. Vor dem Einsatz chemischer Schädlingsbekämpfungsmittel war die Saatkrähe in den landwirtschaftlichen Gebieten, in denen Insektenbefall die Ernte gefährdete, ein gern gesehener Vogel, der im Schwarm einer Insektenplage ziemlich schnell Einhalt gebieten kann. Für die aufstrebende ökologische Landwirtschaft könnte die Saatkrähe in Zukunft als "biologischer Schädlingsbekämpfer" wieder an Bedeutung gewinnen. |
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| Die Saatkrähe | |||
| ● | frisst KEINE Junghasen | ||
| ● | frisst KEINE jungen Weidetiere oder Niederwild, | ||
| ● | ist KEIN NESTRÄUBER. | ||
| ● | Eier oder Jungvögel gehören NICHT zu ihrem natürlichen Nahrungsspektrum, wodurch sie sich von anderen Rabenvögeln unterscheidet. | ||
| Die Saatkrähe brütet in Kolonien, während Rabenkrähen vorwiegend paarweise leben. Bei 30 oder 100 Brut-paaren (kleine Kolonie) der Saatkrähe entsteht so der Eindruck, es gäbe eine Überpopulation. Allerdings sind 20 Brutpaare das absolute Minimum für eine stabile Kolonie. Tatsächlich sind größere Kolonien beständiger als kleine und dadurch der Arterhaltung viel besser dienlich. | |||
| Neben dem Verdacht, die Saatkrähen würden sich an Jungvögeln vergreifen, sind es ihre - zugegeben lautstarken und wenig musikalisch-harmonischen - "Lautäußerungen", die für Unmut bei Betroffenen sorgen können, dem Möwengeschrei an Meeresküsten nicht unähnlich. Auffallend sind diese Lautäußerungen zu Zeiten des Nestbaus, der Brut und der Jungenaufzucht, also im Frühjahr. Sie haben eine wichtige soziale Funktion: "So begrüßen sich die Artgenossen beim morgendlichen Anfliegen der Brutkolonie, Paare erkennen sich an ihren Rufen. Seit Stunden auf ihren Gelegen brütende Weibchen rufen heiser und aufgeregt, wenn sie das mit Nahrung anfliegende Männchen entdecken. Und die hungrigen Jungvögel betteln lautstark, wenn Eltern das Nest anfliegen und dann die begehrte Nahrung aus dem Schlund herauswürgen." (Prof. Dr. Ott lt. SZ-STA vom 13.6.2007) | |||
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Dass Saatkrähen in dörflichen oder städtischen
Gebieten anzutreffen sind und auch verstärkt auffallen hängt auch damit zusammen, dass sie dort
geeignete Nistbäume (alte ausladende Bäume) vorfinden und die
Nahrung durch gemähte Wiesen leicht erreichen können. Außerdem wurden sie früher in ländlichen Gebieten stark bejagt und ballen sich wohl deshalb in befriedeten Gebieten. Deshalb fällt die Saatkrähe als Schwarmvogel in den wenigen Ortschaften, in denen es Brutkolonien gibt, besonders auf. |
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Horst Guckelsberger |
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