Pressespiegel

LBV Starnberg

 Wildtiere in Not

aus: Starnberger Merkur vom 28.05.2008

BEI SCHELLES IN HOCHSTADT

Auf die Waldkäuze wartet die Freiheit

Diesem Blick kann niemand widerstehen: Die drei Waldkäuze werden derzeit von den Schelles in Hochstadt aufgepäppelt. Sie wurden in Inning und in Alling gefunden. FOTO: SVJ
Hochstadt – Gar nichts kauziges und somit sonderbares, sondern vielmehr einen aufgeweckten und intelligenten Blick haben die drei Waldkäuze, die seit etwa vier Wochen in einer Voliere im Garten von Manfred Schelle leben.

Vier Wochen alt waren die drei Waldkäuze aus Alling und Inning, die scheinbar aus dem Nest gefallen sind, als sie von aufmerksamen Tierfreunden zum Naturschutzwächter nach Hochstadt gebracht wurden. Sind sie jedoch schon vom Flaum befreit und tragen bereits Federn, sollte man sie bloß wieder auf einen nahe gelegenen Ast setzen, wo sie von den Eltern wieder angenommen werden, so der Naturschutzwächter.

Anfangs hat Schelle die drei Waldkäuze, die in Mitteleuropa am häufigsten vertretene Eulenart, noch mit der Hand zwangsernährt. Seit vier Wochen wurde ihnen in einem Lernprozess beigebracht, wie sie größere Beute wie tote Küken mit ihren Greifern festhalten und zerteilen können, Mäuse verschlingen sie im Ganzen.

Die vorwiegend nachtaktiven Kauze werden erst gegen Abend „richtig lebendig", wenn ihnen Schelle die toten Tiere auf ein Brett ins Gehege legt. Den Tag verbringen sie in schützender Deckung in der geräumigen Voliere. In zwei bis drei Wochen werden die drei Kauze soweit sein, um selbstständig in der freien Natur überleben zu können und von Schelles Garten aus ausgewildert zu werden.
Seit „Jahrzehnten" nun schon nimmt sich Schelle hilfsbedürftigen Wildtieren an. Anders als bei Haustieren, für die Tierschutzvereine zuständig sind, ist die Rechtslage für verletzte Wildtiere nicht eindeutig geregelt, für sie sieht sich oft keiner zuständig. Sie sind auf Menschen wie Manfred Schelle und seine Frau Klara angewiesen, die sich vollkommen selbstlos um notleidende Tiere kümmern.

Verletzte Füchse, Feldhasen, Rehe sowie Habichte, Bussarde, Schwäne und die verschiedensten Singvögel, nur um einige zu nennen, fanden Unterkunft und Pflege bei Familie Schelle. „Früher habe ich noch Buch über jedes der bedürftigen Tiere geführt", erzählt Klara Schelle. „Aber irgendwann habe ich es aufgegeben. Es müssen wohl etliche Tausend gewesen sein."

Das die Schelles die Tiere vollkommen unentgeltlich pflegen wird oft vergessen. „Ich kann sie aber nicht wieder weggeben und kaputt gehen lassen. Ich muss ihnen helfen", unterstreicht Manfred Schelle. Seine große Hoffnung ist, dass die heutigen Kinder „mal anders werden" und der Tierwelt die ihnen verdiente Achtung zukommen lassen. iv
 
Die aufopferungsvolle Arbeit mit verletzten und verlassenen Wildtieren von Klara und Manfred Schelle ist unentbehrlich. Durch ihre umfassende Erfahrung mit Wildtieren und ihrer Pflege helfen sie auch gerne mit Beratung. Die Arbeit einschließlich dem (sehr teuer gewordenen) Abholen per Auto geschieht ehrenamtlich und unbezahlt, denn öffentliche Stellen halten sich für "nicht zuständig" bei Wildtieren in Not. Es wäre viel geholfen, wenn sich tierliebe Helfer fänden, die - "klein" beginnend - sich die Erfahrung und Tierliebe zu eigen machen und qualifiziert ebenfalls Pfleglinge aufnehmen würden.
Enge Zusammenarbeit mit den Tierärzten und dem Artenschutzreferat im Landratsamt wegen der gesetzlichen Vorschriften ist selbstverständlich. Schließlich ist es verboten, Wildtiere "sich anzueignen".
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