Pressespiegel

LBV Starnberg

Schwalben im Bahnhof Herrsching

aus: Starnberger Merkur vom 11./12.08.2007

Taubendreck

 
Ungebetene Gäste in der Bahnhofshalle

Vögel gibt es schon immer in der Herrschinger Bahnhofshalle. Bislang fühlten sich allerdings ausschließlich die artgeschützten Schwalben im Sommer dort zu Hause. Vor rund zwei Jahren haben darüber hinaus Tauben eine Vorliebe für das Gewölbe entdeckt. Jetzt gibt es ein Problem.

"Es war von allen Seiten gut gemeint", zeigt Horst Guckelsberger Verständnis. Der Vorsitzende des Starnberger Kreisverbandes vom Landesbund für Vogelschutz kann sich diese "unglückliche Aneinanderkettung von Umständen" ebenso wie Mia Schmidt erklären. Herrsching Fremdenverkehrsreferentin hatte gehofft, dass mit dem Netz endlich eine Lösung für das Taubenproblem im "Entree" der Ammerseegemeinde gefunden würde. Erst im Juli hätten die Besitzer des Pavillons im Bahnhof 70 kg Taubendreck vom Dach geschaufelt.

Zwar machen auch Schwalben Dreck, dem könne man aber mit so genannten Kotbrettern unter den Nestern begegnen, so Guckelsberger. Nicht zu breit, sonst setzen sich wieder die Tauben drauf. Er appelliert auch and die Hütten- und Gartenbesitzer, wieder vermehrt Möglichkeiten für Schwalben zu schaffen, Nester zu bauen. Sie brüten meist unter Dachvorsprüngen und brauchen dafür sägeraues Holz oder raue Hauswände. Finden sie dann noch Lehm, finden sie im Fünfseenland ideale Brutbedingungen. Das Material ist leicht herzustellen, indem man Lehmziegel "katzensicher" in einem Bottich aufweicht. Am besten im April. Ein weiterer Appell richtet sich an Vogelfreunde, die es allzu gut meinen und damit aber gerade falsch: "Tauben bitte nicht füttern!" Sonst kommen noch mehr.

Im Herbst, wenn die Schwalben abgezogen sind, will die Bahn einen zweiten Versuch starten, freut sich Mia Schmidt. Vor zwei Tagen hat sie ein entsprechendes Schreiben erhalten. 5000 Euro kostet diese Taubenabwehr. Die Bahn will das Geld noch einmal investieren. "Diesmal treten hoffentlich keine Missverständnisse auf", meint Mia Schmidt. Denn Vogelschützer Guckelsberger bestätigt, dass das Netz keine Gefahr für die Schwalben und ihre Brut darstellt. Polizei und Feuerwehr wissen dies mittlerweile auch und müssen nicht bei Nacht und Nebel reagieren, weil alle glauben, es sei Gefahr im Verzug.

VON ANDREA GRÄPEL

Herrsching - Mehl- und Rauchschwalben nisten seit Jahren im Herrschinger Bahnhof. Sie sind geschützte Arten, die früher an Häusern und in Stallungen brüteten. Künstliche Belüftungen in landwirtschaftlichen Gebäuden verhindern ihnen jedoch mittlerweile den Zugang und glatte Hauswände die Möglichkeit, Nester zu bauen. Darüber hinaus geht den Flugjägern die Nahrung aus: Es gibt immer weniger Insekten.

Die Bahnhofshalle in Herrsching bietet den Schwalben jedoch noch immer - vermutlich auch infolge der Seenähe - optimale Bedingungen. Weil diese selten vorgefunden werden, werden die Vögel geduldet. Sind sie doch auch Indikatoren für eine intakte Umwelt,. Vier bis fünf Monate verbringen sie hierzulande, den Winter in Afrika. Die sich stark vermehrenden Tauben indes sind das ganze Jahr hindurch vor Ort und bereiten nicht nur in Herrsching Probleme, sondern überall, wo sie in großer Zahl auftauchen.

Mit einem speziellen Netz hat die Bahn versucht, die Spreu vom Weizen zu trennen: Das Gebälk < genauer: nur der Raum oberhalb des Kiosks> wurde mit einem engmaschigen Netz verhängt, das den Tauben den Weg versperrt. Schwalben dagegen ist es nach kurzer Zeit Gewöhnung leicht möglich, durch die Maschen zu schlüpfen. Da die beauftragte Firma jedoch niemanden informiert hatte, dass die Netze angebracht werden, wusste auch niemand, was er davon halten solle, als die Netze im Juli aufgehängt wurden. Polizei und Feuerwehr wurden alarmiert. Denn besorgte Passanten sahen hilflose Schwalben, die zu ihrer Brut wollten und scheinbar nicht konnten. Nach nicht einmal 24 Stunden war das Netz in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen.

Hilfe für die Schwalben  
Rauchschwalben brüten meist im Inneren von Gebäuden, vor allem in Ställen, Hausgänsen oder Scheunen. Erst offene Fensterluken erschließen Brutmöglichkeiten Nisthilfe ist sinnvoll, aber sie sollte richtig gemacht werden. Infos erteilt der Landesbund für Vogelschutz (www-lbv-starnberg.de).
Mehlschwalben bauen ihre bis auf das Einschlupfloch geschlossenen Nester meist unter Dachvorsprünge an Außenwände. Auf glattem Putz brechen die Nester oft ab. Ein Drahtgeflecht etwa 10 cm darunter könnte das Nest auffangen. *)

Kot-Bretter sind ein probates Mittel gegen Vogelschmutz.
grä

*) Hinweis auf ein kleines Missverständnis: Das Drahtnetz dient nicht dem Auffangen des Nestes. Vielmehr soll das "Hasengitter"-Drahtgeflecht, von ca. 10 cm unterhalb des Dachvorsprungs an abwärts an Balken oder Hauswand genagelt, dem daran angeklebten Nest den nötigen Halt an der sonst zu glatten Wand vermitteln. (Vergleichbar den früher üblichen "Rabbitz-Matten").
Weiterer Hinweis: Kotbretter dürfen nicht so angebracht sein, dass sie wieder - ganzjährig - den Tauben als Sitzplatz dienen können. HG
 zu Aktuelles 2007 zu: Schwalben im Bahnhof Herrsching
 zu Pressespiegel 2007 zu: Mit Netz gegen Tauben (SZ-STA v. 21.02.2008) (Fortsetzung der Geschichte)