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Starnberger See - Rastgebiet für Wasservögel

aus: Starnberger Merkur vom 23.10.2006

Winterquartier für 20 000 Wasservögel
Blässhühner beherrschen den Starnberger See

Foto: A. Saitner

Starnberg - Schon im September und Oktober sind mehr als 10 000 Wasservögel am Starnberger See eingetroffen, die den Sommer über in Nord- und Nordosteuropa gebrütet und gelebt haben. In den Brutgebieten im Norden ist das Nahrungsangebot (Insekten, kleine Wasserlebewesen und Wasserpflanzen) mit Ende des Sommers stark zurückgegangen, einige Gewässer sind dort sogar schon zugefroren. Im Sommer hier nur selten zu sehen, jetzt aber schon in großer Zahl angekommen sind die Reiherenten mit dem auffälligen schwarzen Federschopf und die Tafelenten, die einen schokoladenbraunen Kopf und hellgrauen Körper haben. Sie gehören zu den Tauchenten und sind zur kalten Jahreszeit die häufigsten Vertreter der Entenvögel. Sie lassen sich vor allem in den Flachwasserbereichen entdecken, zu denen die Starnberger Bucht, die Seeshaupter Bucht, der Karpfenwinkel und die Umgebung der Roseninsel zählen.
Die Zahl der Wasservögel erreicht ihren höchsten Stand gegen November und Dezember, wenn der Starnberger See auch die Vögel der kleineren Gewässer aus der Umgebung aufnimmt. Dann können die ehrenamtlichen Wasservogelzähler, die jeweils um die Monatsmitte unterwegs sind, hier oft über 20.000 Tiere feststellen. Diese Zahl ist besonders beeindruckend, wenn man weiß, dass im Frühsommer weniger als 1.000 Wasservögel am Starnberger See leben. Die weitaus häufigste Art ist jetzt das Blässhuhn, auch Blässralle und im Bairischen Duckanterl genannt. Es macht im Winter über die Hälfte aller Wasservögel aus. Oft hört man, dass das Blässhuhn ja das ganze Jahr da sei. Doch im Winter leben hier mehr als dreißig mal so viele Vögel wie im Sommer. Das Blässhuhn ist also ein typischer Wintergast.

Die bisher eingetroffenen Wintergäste lassen sich alle mit einem normalen Fernglas und manchmal sogar mit bloßem Auge vom Ufer aus entdecken. Es sollte selbstverständlich sein, beim Beobachten die Vögel nicht durch schnelles Gehen auf den Stegen zu erschrecken und Hunde am Seeufer unter Kontrolle zu halten. Die überwinternden Tiere brauchen dringend Ruhe, um ihre Energiereserven aufzufüllen und bis zum Frühjahr wieder fit zu werden für den bevorstehenden Rückflug, für Balz, Revierverteidigung, Nestbau und Aufzucht der Jungen.

Angesichts der großen Menge von Wasservögeln, die schon im Oktober auf dem Starnberger See rasten, sollte schon jetzt besondere Rücksicht genommen und Störungen sollten vermieden werden. Dazu gehört, mit Booten in der Nähe von Wasservogelansammlungen langsam zu fahren und einen großen Abstand von mindestens 500 m vom Ufer zu halten.
Als besondere Attraktion entdeckt man jetzt die farbenprächtigen Kolbenenten mit ihrem fuchsrotem Kopf und dem leuchtend roten Schnabel. Sie nutzen den Starnberger See vor allem als herbstliches Rastgebiet und ziehen im Winter weiter Richtung Süden. Weil sie Nahrungsspezialisten mit ausgeprägter Vorliebe für Armleuchteralgen sind, trifft man sie nur in einigen flacheren Buchten an, wo ihre Lieblingspflanzen wachsen. Die größte Wahrscheinlichkeit, sie zu sehen, gibt es an der Roseninsel. Doch auch an den Bootshütten von Tutzing, vor Starnberg und bei St. Heinrich hat man zur Zeit gute Chancen, sie zu beobachten. Sie sind selten und stehen als „stark gefährdet“ auf der „Roten Liste gefährdeter Arten in Deutschland“.
 
 

Annette Saitner vom Landesbund für Vogelschutz ist Gebietsbetreuerin des Starnberger Sees.

siehe dazu auch: Herbstliche Vogelbeobachtung  
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