Pressespiegel

LBV Starnberg

 Ehemaliges Pionierübungsgelände Krailling

aus: Starnberger Merkur vom 28.05.2008

NATURSCHUTZ-PROJEKT IM ÜBUNGSGELÄNDE

Artenreichtum durch Verzicht
Menschen aus aller Welt beraten derzeit in Bonn darüber, was zum Erhalt der Artenvielfalt unternommen werden kann. Bereits seit 15 Jahren legt der Landesbund für Vogelschutz im ehemaligen Kraillinger Pionierübungsgelände diesbezüglich Hand an.
VON VICTORIA STRACHWITZ  
Krailling – Wie viele Naturschützer verfolgt Horst Guckelsberger, Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Starnberg, die UN-Naturschutzkonferenz in Bonn ganz genau. „Es muss etwas herauskommen, aber es wird wahrscheinlich immer unbefriedigend sein", sagt er. Anlässlich der Konferenz waren die vom LBV organisierten naturkundlichen
Führungen bereits den ganzen Mai über der Biodiversität gewidmet.

Wenn Guckelsberger vom Schutz der Artenvielfalt spricht, weiß er, was das be-
deutet. Ödlandschrecke, Wechselkröte, Laubfrosch,Schlingnatter, Heidelerche und Wendehals hätten es schwer, im ehemaligen Pionierübungsgelände in Krailling zu überleben, würde sich nicht regelmäßig jemand vom LBV darum kümmern, dass ihr Lebensraum erhalten bleibt. Im Gegensatz zu dem, was der Name des Vereins verspricht, sorgen sich seine Mitglieder nicht nur um Vögel.
LBV-Mitglieder sorgen nun dafür, dass die Flächen frei bleiben. Das ist mühselig: Mit Schubraupen wäre es leicht, die Erde wegzuschieben, doch damit würde man auch die Ödlandschrecken beerdigen, sagt Guckelsberger. Also werde nach der Strategie „small is beautiful" verfahren – dafür aber kontinuierlich.

Das Pioniergelände ist eine Art Arche Noah. Insgesamt 27 Arten, die in Bayern auf der Roten Liste stehen und damit als höchst gefährdet oder vom Aussterben bedroht gelten, haben sich dorthin gerettet und sich dauerhaft niedergelassen. Damit ist es auch der Hauptarbeitsplatz des LBV Starnberg. Die letzte Eiszeit, die mittelalterliche Forstnutzung und die militärische Nutzung haben alle Spuren hinterlassen, die das Gelände zu einem besonders erhaltenswerten Lebensraum machen.

„In Wirklichkeit machen wir klassischen Naturschutz", sagt Guckelsberger. „Und das bedeutet Schutz der Arten und Erhalt ihrer Lebensräume."

„Die Blauflügelige Ödlandschrecke wäre in Krailling wahrscheinlich verschwunden, weil die trockenen, offenen Flächen mit Weiden und Birken zugewachsen wären", erklärt der LBV-Kreisvorsitzende. Im Gegensatz zur Heuschrecke hüpft die Ödlandschrecke nicht auf Heu und Gras, sondern eben auf Ödland herum, und das ist im
dichten Siedlungsraum rar. Im Pionierübungsgelände ist es vorhanden. „Aus militärischen Zwecken ist dort der Humus weggeschoben worden, damit es nicht brennt."
Der LBV legt deshalb großen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern, der Gemeinde Krailling und ihrem Bauhof, vor allem auch mit den zuständigen Forstleuten. Da das ehemalige Pionierübungsgelände zu einem beliebten Naherholungsgebiet geworden ist, muss auch das Bewusstsein für dessen Wert und die Notwendigkeiten bei den Besuchern geschärft werden. Holzhaufen können dazu dienen, Schlingnattern oder Eidechsen zu beherbergen. Wer das Holz benutze, um ein Lagerfeuer zu entzünden, raube den Tieren den Lebensraum. Totholz sollte nicht komplett zu Brennholz verarbeitet werden, einiges sollte stehengelassen werden, weil es Tieren Nahrung und Unterschlupf bietet. Freilaufende Hunde könnten die Tiere erschrecken. Guckelsberger rät auch, zum Schutz der Artenvielfalt auf den Wegen zu bleiben. Grundsätzlich gelte: „Der Reichtum kommt auch durch Verzicht."
 zu Startseite

zu Pionierübungsgelände Krailling

 zu Aktuelles 2008

 

 zu Pressespiegel 2008

z