Pressespiegel

LBV Starnberg

Starnberger See

aus: Kreisbote Starnberg-Ost vom 18.04.2007

Sehr seltene Gäste

Außerordentliche Besonderheit: Eiderenten am Starnberger See
Landkreis - Wer öfters am Ufer des Starnberger Sees mit dem Fernglas unterwegs ist, hatte vielleicht schon das Glück, diese ungewöhnlichen Vögel zu entdecken: die Eiderenten. Jetzt, wo die vielen Tausend Wintergäste aus Nord- und Nordosteuropa schon wieder zurück in ihren Brutgebieten sind, fallen sie eher auf unter den wenigen hier gebliebenen Stockenten, Blässhühnern und Haubentauchern. "Weil die Eiderenten schon seit vielen Jahren am Starnberger See leben, haben sie etwas ihre Scheu verloren", so Annette Saitner, LBV-Gebietsbetreuerin Starnberger See und Umgebung. "Man sieht sie auch schon einmal vom Schiff aus, und Anfang April kamen drei von ihnen so nahe ans Ostufer, dass ein Schnappschuss gelang. Ihre traditionellen Mauser- und Überwinterungsgebiete sind Nord- und Ostsee. Berichte über einzelne Eiderenten oder gar kleine Trupps auf den großen europäischen Binnenseen gibt es immer wieder, doch stammen sie fast ausschließlich aus dem Winter oder aus den Zeiten des Vogelzugs.

"Manche Eiderente ist als Irrgast auch schon am Schwarzen Meer oder im nördlichen Mittelmeer aufgetaucht", erklärt Saitner. "Die dauernde Anwesenheit der Eiderenten am Starnberger See ist deshalb eine außerordentliche Besonderheit."

Die Herkunft der Eiderenten am Starnberger See ist unklar. "Vermutlich handelt es sich um Tiere, die sich als Jungvögel hierhin verirrt haben und ausnahmsweise da geblieben sind", so Saitner. Nachdem schon in früheren Jahren immer wieder einige zu beobachten waren, wurden sie seit dem Winter 1994/95 erstmals als Dauergäste festgestellt.

 "Nach einer anderen Theorie könnten unsere Eiderenten auch Gefangenschaftsflüchtlinge sein, denn sie werden wegen ihrer Schönheit vereinzelt als Ziergeflügel gehalten". Obwohl jetzt schon seit vielen Jahren männliche und weibliche Eiderenten zusammen am Starnberger See leben, kam es bislang noch zu keinem Brutversuch. Lediglich Balzgebaren wurde bei ihnen beobachtet, dabei ruft der Erpel laut „uhú“.

Von der Eiderente stammt die Eiderdaune, die wegen ihrer hervorragenden Wärmedämmung die hochwertigste Daunenart für das Befüllen von Kopfkissen und Decken ist. Das Einsammeln der Daunen von den Nestern wildbrütender Vögeln ist inzwischen fast überall verboten. Die höchste Bedrohung der Art sind heutzutage Ölkatastrophen und die ständige schleichende Ölverschmutzung des Meeres.                sb

Derzeit leben etwa sechs Eiderenten ganzjährig am Starnberger See. Die auffälligen Erpel sind schwarz-weiß gemustert, am Hinterkopf und den Halsseiten sind sie lindgrün. Die Weibchen ähneln einer weiblichen Stockente, sie sind braun gebändert. Die Eiderente ist die größte Entenart der Nordhemisphäre. Auffällig ist ihr kräftiger Schnabel, mit dem sie ihrer Hauptnahrung zu Leibe rückt, denn normalerweise ernährt sie sich von Miesmuscheln, außerdem noch von Krebstieren und Seeigeln im Meer. "Am Starnberger See hat sie sich auf die eingeschleppte Dreikantmuschel spezialisiert", so Saitner.
Die Eiderenten gehören zu den Meeresenten und kommen eigentlich nur auf Inseln und an den Küsten vor. Ihre Brutgebiete innerhalb Europas liegen vor allem auf Island, den britischen Inseln, in Skandinavien und in Nordrussland. Kleinere Brutkolonien gibt es auch in Nordwestfrankreich, den Niederlanden und in Nordwestdeutschland.
Sehr seltene Gäste haben sich derzeit am Starnberger See eingefunden und konnten von Annette Saitner fotografiert werden: ein Eiderentenpaar.           Foto: (C) A. Saitner
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