LBV Bayern - Pressemitteilung

LBV Starnberg

Artenvielfalt und Agrarlandschaft

 Pressemitteilung der LBV - Landesgeschäftsstelle vom 12.08.2008

LBV: Natur verliert 2008 in Bayern 50.000 ha

Ausmaß des Agrarausbaus nun bekannt, LBV warnt vor dramatischem Artenrückgang

In großer Sorge um die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft hat der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) bereits mehrfach vor den Auswirkungen der Abschaffung der Flächenstilllegung gewarnt. Nun liegen erste Zahlen vom Statistischen Bundesamt vor, und diese sind mehr als alarmierend: In ganz Deutschland gingen dieses Jahr rund 340.000 ha an Stilllegungsflächen verloren. Unsere bayerische Tier- und Pflanzenwelt muss dabei auf 50.000 ha an wertvollen Lebensräumen verzichten. Das sind 500 Quadratkilometer, auf denen nun Arten wie Feldlerche, Feldhase und Rebhuhn, aber auch das seltene Braunkehlchen, nicht mehr brüten oder Nahrung finden können. Stattdessen wachsen dort Raps, Mais oder Getreide. Dramatische Bestandesrückgänge sind vorprogrammiert.

Der LBV fordert seit langem einen Ersatz für die verloren gegangenen Stilllegungsflächen und zwar durch die Einrichtung von „ökologischen Vorrangflächen“ auf 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen eines Betriebs. Solche Vorrangflächen gibt es in der Schweiz bereits seit 1999. Und vor kurzem reagierte Großbritannien auf die Abschaffung der Stilllegungsverpflichtung und führte „Ökoflächen“ ein, die Landwirte anlegen müssen, um EU-Fördergelder zu erhalten. Der LBV fordert die bayerische Staatsregierung auf, nun endlich gleichzuziehen.

Zu den Vorrangflächen gehören selbstbegrünte Brachflächen, Blühflächen oder Blühstreifen sowie artenreiche Grünlandflächen, Saumstreifen oder Feldgehölze. Mit einer solchen Verpflichtung könnten die milliardenschweren Direktzahlungen aus Brüssel auch gesellschaftlich besser begründet werden. Diese Vorrangflächen können den alarmierenden Artenrückgang in der Kulturlandschaft bremsen und so einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen des von der EU vorgegebenen Zieles leisten, den Rückgang der Artenvielfalt bis 2010 zu stoppen.

Die Flächenstilllegung wurde ursprünglich eingeführt, um die Überproduktion von Agrarprodukten zu begrenzen. Bis Herbst 2007 waren Landwirte verpflichtet ca. acht Prozent ihrer Betriebsfläche stillzulegen. Dabei entwickelten sich die stillgelegten Flächen zu wichtigen Rückzugsorten für viele Tier- und Pflanzenarten.

Hilpoltstein, den 12.08.2008; V.i.S.d.P. und Ihr Ansprechpartner: Frauke Lücke
Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V., Eisvogelweg 1, 91161 Hilpoltstein

 zu Startseite  
 zu Aktuelles 2008

 

 zu Pressespiegel 2008