Aktuelles / Pressespiegel
Volksbegehren "Aus Liebe zum Wald"

SZ-STA vom 10.11.2004

Von Antje Kerschbaum
Seefeld
Das Volksbegehren "Aus Liebe zum Wald" - die Unterschriftslisten liegen vom 16. bis 19. November in den Rathäusern aus - hat die Diskussion auf der diesjährigen Fachtagung des Bunds Naturschutz (BN) in Bayern auf Schloss Seefeld bestimmt. Die Wissenschaftler warnen vor den Folgen der so genannten Forstreform, die die bayerische Staatsregierung auf den Weg gebracht hat. Sie würde, so BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger, die gesamte Waldbewirtschaftung auf bloße Holzproduktion reduzieren.

Das Bild und die Folgen von Nadelholz-Monokulturen sind Waldbesuchern wohl vertraut. Niedergelegte Fichten, die den Stürmen nicht standhalten können, erlangten traurige Berühmtheit. Seit 1974, als das derzeit gültige Waldgesetz im Konsens mit den Naturschützern verabschiedet. wurde, habe sich die Staatsregierung bemüht, die Waldbewirtschaftung mit Monokulturen zu überwinden, sagte Forstwirtin Maria Pfannholz. "Jetzt sind erste Erfolge zu sehen. Wir sind auf einem guten Weg." Doch dieser Weg soll nun, zum Entsetzen aller Experten - auch der in der CSU, wie Pfannholz betonte - verlassen wer, den Der Wald von morgen soll, so die Vorgabe der Staatsregierung, funktionsgerecht sein; also dazu taugen, Holz zu ernten, sagte Georg Meister. Und er soll zugleich sparsam bewirtschaftet werden.
 
Meisters Ansicht nach gibt es zwei sehr unterschiedliche Möglichkeiten, diesen Plan umzusetzen: Die erste Möglichkeit - auf den die geplante Forstreform hinführe - sei Massenholzware zu produzieren. Massenware hieße Monokultur, Einsatz von Großmaschinen zur Holzernte, Forststraßen statt Waldwege, Erosion, Hochwasserschäden, Einbußen bei der Trinkwasserqualität. Der “schöne Wald” mit seinen großen und kleinen Bäumen, den Laub- und Nadelbäumen, der Wald, in dem sich die Menschen gerne aufhalten, ginge dabei verloren. "Eine solche. Entwicklung in Kauf zu nehmen, ist doch absoluter Blödsinn", ärgerte sich Meister. Die zweite Möglichkeit besteht seiner Ansicht nach darin, Wertholz zu produzieren. Wenn der junge Baum neben dem alten Baum nachwachsen darf, sich "naturnahe Wälder" entwickeln dürfen, hielten sich die Kosten in Grenzen. Doch bedarf es qualifizierter Förster und fleißiger Jäger, um dieses Konzept zukunftsfähig zu gestalten. Aber anstatt die Förster zu unterstützen, will die Staatsregierung die Forstverwaltung zerschlagen, prangerte Pfannholz an. Und unter den Jägern könnte zukünftig jene Gruppe an Bedeutung gewinnen, denen optimales Jagdvergnügen wichtiger sei als Bestandspflege.
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